Arcus Talent, der Thermiksegler von robbe


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Bericht und Fotos: Frank Schwartz
Veröffentlicht in prop 4/2012
© 2012 Frank Schwartz, alle Rechte vorbehalten

In Kürze gesagt: endlich wieder mal was zum Bauen! Ja, der Arcus Talent entsteht aus einem echten Bausatz. Im Baukasten – jetzt darf man dieses Wort wieder einmal zu Recht verwenden – bekommt man jede Menge Holzbrettchen, ein paar Holzleisten und CFK-Rohre geliefert. Zugefügt sind selbstverständlich auch eine deutschsprachige Bauanleitung und ein großer Bauplan.

Aber keine Angst. Sägen muss man nicht. Ganz im Gegenteil. Die Rippen, Spanten und weiteres sind sehr fein und sauber mit dem Laser geschnitten. Auch fast alle anderen Holzteile, wie zum Beispiel die Seitenwände und Deckel des Rumpfes, die Leitwerksteile, die Endleiste usw. liegen fein säuberlich lasergeschnitten bei. Das ist auch der Grund, warum man den Bau des Modells auch einem Ungeübten empfehlen kann. Da keinerlei Nacharbeiten an den gelieferten Teilen notwendig sind, alles bestens auf Passgenauigkeit gearbeitet ist, kann beim Bau fast nichts schief gehen. Auch für den geübteren Modellbauer ist das Erstellen des Modells ein Genuss und geht schnell von der Hand. Für den gesamten Bau bis zum flugfertigen Modell habe ich nur 24 Stunden benötigt.

Allerdings ist es wie immer notwendig und vor allem auch sinnvoll, die Bauanleitung als auch den Bauplan intensiv zu studieren und sich auch eine Baugruppe komplett anzusehen, bevor man den ersten Leimtropfen vergießt.

Zu Beginn ist etwas Fleißarbeit angesagt: bei allen Teilen gilt es, einen oder mehrere kleine Stege zu durchtrennen, bevor man sie den Brettchen entnehmen kann. Mit einem kleinen Cuttermesser oder einem Skalpell geht das sehr einfach. Ein Nachschleifen ist nicht notwendig.

Für das Zusammenleimen habe ich entsprechend der Bauanleitung weitestgehend dünnflüssigen Sekundenkleber verwendet. Nur dort, wo vor dem Zusammenfügen der Holzteile größere Flächen mit Leim einzustreichen waren, habe ich auf Weißleim zurückgegriffen, so zum Beispiel beim Aufbringen der oberen Endleisten-Beplankung. Wie schon gesagt, die Teile passen sehr genau. Davon konnte ich mich nochmals bei der Endmontage des Tragflächenmittelteils überzeugen. Wenn dieses Bauteil vollständig fertig gestellt ist, müssen als einer der letzten Schritte zwei nur 3 mm dicke CFK-Röhrchen durch 36 Rippen gesteckt werden. Aufgrund der hervorragenden Passgenauigkeit aller Teile rutschen diese Röhrchen einwandfrei an ihre Position. Auch diese CFK-Röhrchen, genauso wie die CFK-Nasenleiste und das dicke CFK-Rohr, welches als Hauptholm dient, werden mit Sekundenkleber verklebt. Einzig die Montage des bzw. der drei Motorspante war etwas kniffelig. Insbesondere hier bitte unbedingt genau auf den Plan und die Bauanleitung achten.

Ist der Rohbau beendet, sollte man trotz passabler Oberfläche die Tragflächen-Teile noch mit einem Schleifklotz einmal leicht überschleifen. Beim Rumpf ist etwas mehr Schleifarbeit erforderlich. Alle vier Kanten und die Rumpfspitze zum Motorspant hin müssen verrundet werden. Danach sollte der Servoeinbau in den Tragflächen erfolgen. Solange die Flächen nicht mit Folie bespannt sind, kommt man über all noch gut dran. Ich habe mir den Luxus einer S.BUS-Verkabelung in den Tragflächen geleistet. Leider passen die von robbe angebotenen Längen der HUB- und Verlängerungskabel nicht wirklich gut zu den Gegebenheiten im Arcus Talent. So musste ich das HUB2-Kabel mit 30 cm Länge bis über den Servoschacht hinaus führen. Nur dann passt ein 20-cm-Verlängerungskabel bis zur Anschlussrippe. Das hat den Vorteil: die Kabel sehen nun hinter der durchsichtigen Bespannung einigermaßen aufgeräumt aus. Aber auch den Nachteil: um im Fall der Fälle an die Steckverbindung der Servos zu kommen, muss in dem entsprechenden Rippenfeld die Folie aufgeschnitten werden.

Die Rohbau-Tragflächen haben eine hohe Stabilität und Verdreh-Steifigkeit. Deshalb ist das Bespannen mit Bügelfolie sehr einfach. Besonders elegant sehen die Tragflächen aus, wenn man dazu eine durchsichtige Folie verwendet. Dann sieht man die CFK-Rohre, keine Beplankung versperrt die Sicht. Selbstverständlich ist aber auch die Verwendung einer Folie mit deckender Farbe möglich.

Als Servos kamen bei mir die S7131SB zum Einsatz. Vielleicht sind sie für diesen Flieger etwas überdimensioniert, ich denke sie haben dennoch auch hier ihre Vorteile. Die Landeklappen lassen sich sehr weit nach unten fahren. Aufgrund des hohen Rumpfes haben sie zwar in der Regel keinen direkten Bodenkontakt, bei hohem Gras kann man es aber nicht immer vermeiden. Außerdem lassen sich die Landeklappen um nahezu 90° ausfahren, womit senkrechte Abstiege möglich sind. Für beide Fälle ist ein robustes Servo sinnvoll. Und noch ein wichtiger Hinweis für die Montage: Aufpassen, in den Landeklappen werden die Ruderhörner „verkehrt herum“ eingebaut, also nach hinten verdreht.

Auch im Rumpf wurden zwei dieser Servos verwendet.

Beim Antrieb habe ich mich ganz an die robbe-Empfehlung gehalten. Der Motor ist ein Roxxy BL Outrunner 3548/06. Dieser passt äußerst knapp in die Rumpfspitze. Genügend Platz hingegen hat der Regler, ein Roxxy BL Control 930. Der von robbe empfohlene Klapp-Propeller mit 12,5 × 6,5 verleiht dem Modell einen moderaten Steigflug. Hier könnte es ein klein wenig mehr sein. Mit einem 14 × 6 Propeller ist dann schon etwas mehr Durchzug vorhanden. robbe empfiehlt einen 3s-Akku mit 3300 mAh. Für mein Modell war dieser Akku zu schwer, da ich den Schwerpunkt nicht weit genug nach hinten verlegen konnte. Ich verwende stattdessen einen 3s2200. Damit erreiche ich eine Motorlaufzeit von etwa fünf Minuten. Das ist vollkommen ausreichend. Apropos Gewicht: Auch hier habe ich die Katalogangabe von 1950 g nicht erreicht. Mein Modell wiegt 1620 g. Mit dem 3300er Akku kämen 80 g Gewicht dazu und das Gesamtmodell würde immer noch 250 g weniger wiegen als die Katalogangabe. Das ist doch mal eine erfreuliche Abweichung und tut einem Thermiksegler gut.

Die Bauanleitung sagt zwar, wo der Schwerpunkt hin soll. Leider sind jedoch keine Angaben zu den Ruderausschlägen zu finden. Ich habe folgende Werte ermittelt: Höhenruder+/- 13 mm, Seitenruder +/- 20 mm, Querruder + 15 mm und - 7 mm.

Beim Fliegen gab es erwartungsgemäß keine Überraschung. Eine Korrektur der Rudereinstellungen war nicht notwendig. Nach vier, fünf Flügen war der Schwerpunkt erflogen. Ab dann zeigte der Arcus Talent was er kann: Thermik suchen, finden und nutzen. Das Modell hat einen ruhigen Geradeauslauf. Dafür sorgt der relativ lange Rumpf. Beim Kreisen in der Thermik muss das Modell nur wenig gestützt werden. Besonderen Spaß machen Abendflüge, wenn es fast windstill geworden ist und man auf die Suche nach den letzten Aufwinden des Tages gehen kann zum Beispiel nach einem heißen Tag über einem Wald. Das soll aber jetzt nicht heißen, dass man das Modell nicht bei Wind fliegen kann. Klar reagiert ein so leichter Flieger auf Turbulenzen. Dank der guten Steuerwirkung lassen sich diese auf jeden Fall aussteuern. Auch verträgt der Talent einen Looping oder Rollen, dennoch ist es kein Kunstflugmodell. Und vor allem sollte er nicht allzu schnell geflogen werden. Mit gesetzten Landeklappen sind wie schon erwähnt senkrechte Abstiege möglich, wenn man es einmal mit dem Thermik-Kurbeln übertrieben haben sollte.

Fazit: Der Arcus Talent ist ein Modell für den, der gerne einmal wieder bauen oder seinen ersten Versuch im Erstellen eines Baukasten-Modells unternehmen möchte. Der Bau geht leicht von der Hand und macht Spaß. Belohnt wird man mit einem exzellenten Thermiksegler, der auch genügend Gleitleistung mitbringt, um von Bart zu Bart zu „hoppen“. Beobachter sind immer wieder fasziniert vom ruhigen Flugbild und dem interessanten Aufbau der Tragfläche, der unter einer transparenten Bespannung bestens zur Geltung kommt.

Und wer dann doch nicht bauen möchte oder – aus welchen Gründen auch immer – nicht bauen kann, hat ab Juni 2013 die Möglichkeit, den Arcus Talent als ARF-Modell zu beziehen!

+ Baukasten
+ Bauteile sehr passgenau gelasert
+ gute Thermikeigenschaften
- an einigen Stellen ist die Bauanleitung etwas oberflächlich
- Platz für den empfohlenen Motor ist sehr knapp
- nicht als reines Segelflugmodell zu haben

Im Testmodell verwendet:
Roxxy BL Outrunner 3548/06
Klappluftschraube 12,5 x 6,5
Spinner AluD44/5,0
Roxxy BL Control 930
Roxxy-Power ZX 3s2200mAh 25C
1x Empfänger R6308SBT
6x Servo S3171SB
3x S.BUS HUB-2-Kabel, 30 cm
4x Verlängerungskabel 200 mm


Bauplan und Bauanleitung in sechs verschiedenen Sprachen


Die gelaserten Teile passen wie Legeosteine ineinander.


Der Motor würde etwas besser passen, wenn die Bohrungen um 45 Grad verdreht wären.


Rippen, Halbrippen und Winglet für die beiden Außenflügel


Lediglich die obere Endleistenbeplankung (rechts) wurde mit Weißleim geklebt; alles andere mit Sekundenkleber.


Diese Komponenten werden zusätzlich benötigt.


Die S3171SB sind natürlich purer Luxus - aber gut. Der Telemetrie-Empfänger macht in Verbindung mit dem Vario bei diesem Thermik-Segler Sinn.


Bis Spinner und Zwischenstück spaltfrei zusammengepasst hatten, war etwas Nacharbeit nötig.


Die beiden S.BUS-Stecker kommen in ein HUB2-Kabel im Rumpf.


Damit die Verlängerungskabel in der Länge gut passen ist die Steckverbindung ein Rippenfeld weiter außen.


Stab und Stecker sind eingeklebt …


… für schnelle Montage.


Das Ruderhorn der Wölbklappen wird nach hinten gedreht eingeleimt …


… für großen Ausschlag.


Nochmal in anderer Ansicht …


… und ausgefahren


Der Hecksporn schützt das Seitenleitwerk bei der Landung.


Die Kabinenhaube wird einfach und sicher vorne mit einem Dübel …


und hinten mit Magneten gehalten.


Im Rumpf ist genügend Platz für Telemetrie-Sensoren. Hier der GPS-Sensor von robbe.


Mit dem 2200er Akku kommt man weit genug zurück, um den Schwerpunkt richtig einzustellen.


Die Tragfläche wird mit drei Nylonschrauben befestigt.


Mit dem empfohlenen robbe-Prop ist der Steigflug ausreichend.


Guter Übergang von Haube zur Tragfläche