F3B-Segler Avatar - pure Lust
© 07. Juni 2017 - Frank Schwartz, alle Rechte vorbehalten


Erster Einsatzort für den Avatar war der Petit Ballon in den Vogesen,
hier mit Blick nach Osten Richtung Schwarzwald.

Recht neu in meinem Hangar ist der Avatar. Die Konstruktion des österreichischen F3B-Piloten Günther Aichholzer wird in Tschechien bei Firma JiTom gefertigt. Ich habe mir das Modell in der Ausführung für E-Antrieb bestellt. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Meine F3B/F3F-Segler waren im vergangenen Jahr fast immer mit zum Hangfliegen. Damit hatte ich viel Spaß. Gerade die F3B-ler sind aus meiner Sicht ein optimaler Kompromiss zwischen Vielseitigkeit und gutem Handling. Konstruktionsbedingt sprechen sie einerseits gut auf Thermik und schwache Hangaufwinde an. Anderseits kann man sie ordentlich „laufen lassen“, spätestens wenn sie aufballastiert sind. In beiden Fällen kommt Freude auf. Mit der Spannweite um 3 m lassen sie sich bequem auf den Berg tragen und sind auch bei ungünstigen Verhältnissen noch gut landbar. Gute Vorteile, die mich oft dazu bewegen, nur ein solches Modell den Berg hinauf zu tragen.
Doch leider hatte ich nicht immer Spaß. Einige Male war ich an Startstellen, wo man gut landen konnte – aber nur oberhalb der Startstelle. Dazu waren die Bedingungen recht schwach. Kollegen flogen mit ihren E-Modellen ganz entspannt, auch wenn ihre Modelle mal längere Zeit unterhalb der Startstelle waren. Den Motor mussten sie oft gar nicht einschalten. Ich habe immer lange die momentanen Bedingungen in der Luft geprüft, bevor ich meinen Segler mal rausgeworfen hatte. So kam ich deutlich seltener zum Fliegen. An diesen Tagen reifte in mir der Entschluss, mich nach einem elektrifizierten F3B-Segler umzusehen. Denn der sollte allemal leichter im Rucksack sein, als eine Flitsche.
Wenn schon, denn schon, so sollte es eine relativ aktuelle Konstruktion sein. Alles mit Steckschnauze fällt schon mal aus, ein Umbau sollte es auch nicht sein. Da blieben nur noch recht wenige Modelle in der Auswahl. Ein kurzer Informationsaustausch mit Günther ließ die Entscheidung recht schnell fallen. Diese beiden Sätze überzeugten mich: „Das Abfluggewicht eines E-AVATAR (mit F3B-layout) beträgt ca. 2.100 - 2.150g. Mit diesem Modell haben wir schon mehrfach Geschwindigkeiten knapp über 300 km/h geloggt.“  
Die Farbgebung konnte ich nach meinen Vorstellungen wählen, wobei ich mich an einem bereits ausgeführten Design orientierte. Mittlerweile bin ich Fan von viel Orange auf dem Modell. Ich folgte der Empfehlung, für die Anlenkungen das LDS-System gleich werkseitig einbauen zu lassen. Ballast (1.750 g) und die Schutztaschen für Tragfläche und Leitwerk wurden auch geordert.
 
Vier KST 225 (zwischenzeitlich gibt es für dieses Servo einen Nachfolger: KST X10) verrichten zusammen mit der herstellerseitig fertig gestellten LDS-Anlenkung ihren Dienst in der Tragfläche. Den Ballast kann man fein gestuft im Flächenverbinder und in zwei Kammern hinter der Aufnahme für den Flächenverbinder unterbringen.

Die versprochene Lieferzeit von einem halben Jahr wurde nicht ganz, aber ziemlich gut eingehalten. Die Qualität und Bauausführung des Modells sind absolut top. Die Oberflächen sind so glatt, dass mir die Flächen ein paar Mal beinahe aus der Hand gerutscht sind. Zur Fertigstellung war nur wenig zu tun: Servos in die Fläche einschrauben und die Inbus-Schrauben der LDS-Anlenkung anziehen; Verkabelung herstellen; Kugeln auf vorgebogene Ruderhörner für HLW-Anlenkung löten; Ruderhörner einkleben; Servobrett in Rumpf einkleben; Servos einschrauben; das fertige Gestänge ablängen; Motorspannt einkleben; Antrieb und Empfänger einbauen; fertig. Die ersten Einstellungen von Schwerpunkt und Ruderausschlägen waren dank sehr guter Vorgaben ebenfalls schnell erledigt.

Die Servos für Höhe und Seite befinden sich im Rumpf hinter einer Klappe im Rumpfboden. Die Steckverbindung Rumpf/Tragfläche habe ich für einen bequemen Aufbau beidseitig eingeklebt.

Da gerade kein 1.300er LiPo zur Verfügung stand, probierte ich einen 1.600er. Der passt hinein. So kam mein Modell auf ein Abfluggewicht von 2.220 g. Super. Der Erstflug erfolgte auf unserem Flugplatz – erwartungsgemäß ohne negative Überraschungen. So konnte nach ein paar kleinen Korrekturen der Einstellungen auch bald die Wendigkeit getestet werden. Mit genügend Fahrt ging es mehr als zackig um die Kurve. Was sage ich, das sind dann keine Kurven. Das Modell schlägt - wenn man will - Haken, F3B-mäßig halt. Die steife Tragfläche macht es möglich. Da biegt und verdreht sich nichts. Die LDS-Anlenkung macht alles mit. Und im nächsten Moment geht der Avatar handzahm in die Thermik, die er willig und wenn man nicht zu viel Seitenruder gibt, auch sehr sauber auskurbelt.

Eingebaut habe ich einen Plettenberg Moskito 4 Maxon 4,4:1. Der Rumpf ist bereits passend für einen 30er Spinner abgeschnitten. Mit einer Freudenthaler-Luftschraube 16x8,5s fließen im Stand etwa 38 A. Unter den recht kleinen Rumpfdeckel passt sogar ein 1.600er LiPo.

Der nächste Einsatz war dann auf dem Petit Ballon. Fünf Tage mit unterschiedlichen Bedingungen. Erster Einsatz am Buchwald, wo man etwas „um die Kurve herum“ herein landen muss. Teils leichter, teils mittlerer Aufwind an wechselnden Stellen. Nach schönem, elegantem Fliegen folgten Landungen „bei Fuß“. Avatar und ich sind also schnell miteinander "warm" geworden.

Nicht nur die LDS-Anlenkung, sondern auch die verdeckten Ruderhebel am Leitwerk sorgen für eine widerstandsarme Oberfläche.

Tags darauf auf dem Gipfel des Petit Ballon war am Nachmittag sehr gute Thermik am Südhang. Kurz den Aufwind suchen, schnell hinauf kurbeln und nach Ablasser aus 100 bis 150 m mit anschließendem, knackigem Viereck-Looping lustvolles Fliegen genießen. Nur schade, dass ich an diesem Tag den Ballast im Auto vergessen hatte.
Am Folgetag war es am Westhang mal wieder so, dass man eine ganze Weile super fliegen konnte, es dann aber urplötzlich ganz schön schnell nach unten ging. So war der Avatar immer wieder einmal 50 bis 80 m unter der Startstelle und ich musste für ihn einen Aufwind suchen. In diesen Situationen hilft das Vario im UniSens-E ungemein. War der Aufwind gefunden, ging es manchmal mit bärigem Steigen innerhalb weniger Sekunden auf 150 m. Auch am Westhang machte die kurze Landefläche dem Avatar kein Problem.
Den Motor, den ich bewusst als „Heimkehrhilfe“ eingebaut habe, musste ich an allen Tagen nicht einmal einschalten. Mein Ziel habe ich mit einem Modell, das mich extrem begeistert, erreicht. Und mit seiner hohen Streckung sieht er in der Luft auch noch richtig gut aus.


Mit den 1.750 g Ballast steigt das Abfluggewicht auf fast 4 kg.

Technische Daten  
Spannweite 3.125 mm
Wurzeltiefe 220 mm
Tragflächen-Inhalt 55 dm²
Streckung 17,8
Fluggewicht 2.218 g
Flächenbelastung 40,3 g/dm²
Länge 1.465 mm
Ausrüstung  
Servo Höhe/Seite 2x KST DS215MG HV 3.0
Servo Quer 2x KST DS225MG HV
Servo Wölb 2x KST DS225MG HV
Motor Plettenberg Moskito 4 Maxon 4,4:1
Luftschraube 16x8,5s RFM
Spinner-Ø 30 mm (RFM)
Regler YGE 60 V4 7,4 V
Akku 3s 1.600 mAh SLS APL Magnum V2
Vario SM UniSens-E

Und hier noch ein Film von Günther: