Tomcat

Bericht: Frank Schwartz
Fotos: Monika und Frank Schwartz
Veröffentlicht im Blog der experTEC 7/2014
© 2014 Frank Schwartz, alle Rechte vorbehalten

Wiktionary, das freie Wörterbuch beschreibt diesen Begriff so (Auszug): [1] der Kater; [2] übertragen, amerikanisch: der Schürzenjäger ... Herkunft: … tomcat tritt erstmals 1789 oder 1809 auf und ist möglicherweise durch das Kinderbuch "The Life and Adventures of a Cat" (1760) mit der Figur Tom the Cat beeinflusst.

Dem Tomcat von EMC-Vega , um den es hier geht, könnte man attestieren, dass er schleicht wie eine Katze. Er ist leise. Aber er ist schnell. Sehr schnell. Ein Schürzenjäger ist er nicht, erregt aber bei Modellfliegern hohe Aufmerksamkeit.

Der Rumpf ist dünn, sehr dünn. Bei den Tragflächen ist zwar die Option einer GFK-Variante gegeben, jedoch rate ich bei diesem Modell zur CFK-Fläche. Je verwindungssteifer eine Tragfläche ist, desto mehr Tempo ist drin. Und letztlich muss man sich beim Kauf für eine der angebotenen Farbvarianten entscheiden.

Geliefert wird das Modell in nahezu fertiger ARF-Bauweise. Lediglich die Fernsteuerkomponenten (Servos) und die Ruderanlenkungen sind ein-, bzw. fertig zu bauen. Aller Ruderklappen, Seiten- und Querruder sowie Wölbklappen sind funktionsfertig, ebenso wie die Wippe für das Pendel-Höhenleitwerk. Die Flächensteckung ist passgenau vorbereitet. Hier müssen lediglich die Torsionsstifte eingeklebt werden. Selbst bei sorgfältigem Arbeiten ist das Modell in weniger als zehn Stunden flugfertig aufzubauen.


Ein solches Modell verlangt auch nach hochwertigen Komponenten. Als Servos habe ich sechsmal das S3171SB von robbe/Futaba eingebaut. Die Servo-Steckverbindungen Rumpf/Fläche sind die grünen MPX-Stecker. Sowohl im Rumpf als auch in der Tragfläche sind Stecker und Buchsen fest eingeklebt. So geht die Montage auf dem Flugplatz oder am Hang schnell vonstatten. Gesichert werden die Tragflächen und das Höhenleitwerk jeweils mit einem Tesafilm-Streifen.

Für das Einstellen von Schwerpunkt und Ruderausschlägen liefert EMC-Vega exakte Werte. Diese stellen eine Grundeinstellung dar, die auf der sicheren Seite liegt. Insbesondere die Wölbklappen-Ausschläge für die verschiedenen Flugzustände habe ich letztlich gegenüber der Vorgabe in etwa verdoppelt. Leider war für das Einstellen des richtigen Schwerpunktes so viel Ballsat (110 g) in der Rumpfspitze nötig, so dass ich den Empfänger-Akku (LiFe 2s 1.100 mAh) nicht mehr ganz vorne im Rumpf platzieren konnte. Macht nichts, er hat auch im Bereich der Flächen Platz im Rumpf. Übrigens: Bei Verwendung von robbe/Futaba-Empfängern und den vorgenannten Servos speise ich bei Seglern mit 2s LiFe-Akkus immer direkt und ohne Spannungsreduzierung ein. Das funktioniert gut, mit der höheren Spannung sind die Servos etwas schneller.

„Die meisten Modelle gehen beim Transport kaputt.“ Diesen Spruch kenn wir Modellflieger nur zu gut. Deshalb habe ich dem Tomcat eine edle, maßgeschneiderte Transport-Verpackung aus 3-lagigem Steppgewebe der Firma rc-taschen.at gegönnt.

Mit den angegebenen Einstellwerten verlief der Erstflug ohne negative Überraschungen. Nach und nach konnte ich den Schwerpunkt etwas zurücklegen, bis ich mein(!) Optimum gefunden hatte. Dann ging es an die Feinabstimmung der Ruder- und Wölbklappen-Ausschläge.

Zum Starten habe ich lediglich einen Flitschenhaken nahe der Rumpfspitze eingebaut. Mit 7 m Scale-Gummischlauch (ebenfalls von EMC-Vega) plus 7 m Nylonschnur sind imposante Starts möglich. Mein Rekord liegt bisher bei 70 m, gemessen mit dem GPS-Logger von SM. Aber da steckt noch mehr drin.

Und was muss ich sagen: Der Vogel geht ab wie Schmidts Katze, oder besser: wie Toms Cat. Das macht Laune, in der Ebene, aber insbesondere am Hang. Überfahrt hält er extrem lange bei oder setzt sie wieder gut in Höhe um. Die Neugier der anwesenden Modellflieger ist geweckt. Rollen dreht der Tomcat schnell. Die Wölbklappen nehme ich bei Querruder-Ausschlag zu 50% mit. Lässt der Hangwind nach, muss nicht gelandet werden. Jetzt darf Thermik gekurbelt werden. Sicher, er ist kein Floater, kann aber sauber gekreist werden. Und mit fast senkrecht nach unten gestellten Wölbklappen – Querruder nicht nach oben ausgefahren(!) – kommt der Tomcat handzahm zur Landung.

Tomcat und ich werden lange Freunde bleiben!

Technische Daten Tomcat
Spannweite     2.490 mm
Fläche             42,1 dm²
Streckung       14,7
Rumpflänge    1.270 mm
Leergewicht    ab ca. 1.350 g
Fluggewicht    1.850 g