Es geht noch besser - EasyGlider 4 von Multiplex

© 07. Juni 2017 - Frank Schwartz, alle Rechte vorbehalten
veröffentlicht in FMT - Flugmodell und Technik 07.2017
  


Noch eine EasyGlider-Evolution? Ja, unbedingt. Denn erstens braucht es den EasyGlider immer am Markt. Und zweitens ist ein noch weiter verbessertes Modell ein Kaufanreiz. Und: Ich bin überrascht und begeistert von der Performance, der Wendigkeit und der Gleitleistung des Neuen. Der EasyGilder 4 hat auch in der Bauausführung deutlich zugelegt. Ist damit das Ende der Evolution erreicht?

Die Erfolgsgeschichte…
… des EasyGlider begann im Jahr 2005. Anfangs wurde er von „gestandenen“ Modellfliegern teils belächelt. Heute hat er seinen Platz auf den Modellflugplätzen und an den Hängen erobert und ist dort nicht mehr wegzudenken. Das Modell ist preiswert, handlich beim Transport und in der Luft, robust und hat eine gute Performance. Der EasyGlider eignet sich mit etwas Unterstützung durch einen erfahrenen Piloten für den Einsteiger. Wer dann selbstständig fliegen kann, wird mit diesem Modell einen idealen Trainingspartner haben. Mit dem EasyGlider ist es leicht, mit der Zeit immer mutiger zu fliegen. Das fördert den Trainingsstand.
Und der erfahrenere Modellflieger hat mit dem EasyGlider ein Modell, das er zu jeder Gelegenheit einfach mal so benutzen kann. Er ist auch der ideale Urlaubsbegleiter. Wenn am Hang mal schwache Bedingungen herrschen, freuen sich viele Piloten, wenn ein EasyGlider die Lage sondiert. Und genauso bei widrigen Flug- und/oder Landebedingungen: ein EasyGlider geht immer.

Warum eine Weiterentwicklung?
Auch Gutes kann man immer noch etwas besser machen. Doch selten haben (Schaum-)Modelle eine so lange Lebensdauer, dass man dies auch wirklich tun könnte. Der EasyGlider hat hier schon eine Sonderstellung. So kann Multiplex bei ihm gesammelte Erfahrungen in ein Update einfließen lassen. Was ist geblieben, was hat sich geändert? Geblieben sind die äußere Form und die Abmessungen. Ebenso wird das Modell weiter aus Elapor in – neuen – Formen geschäumt. Und es gibt den Segler in verschiedenen Bau- und Ausstattungsvarianten.

Die neuen Leitwerke
Sowohl das Höhen- wie auch das Seitenleitwerk sind nun abnehmbar gestaltet. Das erleichtert den Transport im Auto enorm. So passt der EasyGlider 4 noch einfacher in das voll bepackte Urlaubsauto. Ein kleiner Sender, ein oder zwei Akkus und ein Ladegerät – und man muss auch im Urlaub nicht auf das Fliegen verzichten.
Über Klipse werden die beiden Leitwerke miteinander und dann mit dem Rumpf verbunden. Die Haltekraft der Klipse allein ist allerdings zum Fliegen viel zu gering. Deshalb darf man nicht vergessen, die Leitwerke mit der beiliegenden Kunststoff-Schraube sicher zu befestigen. Am Seitenruder befindet sich in Höhe des Ruderhebels eine Öse, in die sich bei der Montage ein am Rumpf befestigter Haken einfädelt. Das ergibt im Vergleich zu älteren Versionen eine deutlich steifere Anlenkung der Ruderklappe und ein stabileres Seitenruder-Scharnier.
Die Anlenkungsdrähte für Höhen- und Seitenruder werden an den doppelten Ruderhörnern durch Kardanbolzen gesteckt und mit einer Inbusschraube geklemmt. Leider gibt die Anleitung keine Auskunft darüber, wie man beim Abnehmen der Leitwerke die Anlenkung trennt. Zwei Möglichkeiten bestehen: Man kann den Kardanbolzen auf dem Anlenkungsdraht belassen, mit Hilfe eines Schraubenziehers das doppelte Ruderhorn vorsichtig spreizen und ihn heraus- bzw. hineindrücken. Oder man löst die Inbusschraube und zieht den Anlenkungsdraht aus dem Kardanbolzen heraus. Allerdings ist so die Wiederholgenauigkeit der Einstellung nach Demontage der Leitwerke nicht wirklich gesichert.
Auf Nachfrage durch die FMT-Redaktion teilte die Firma Multiplex fernmündlich mit, dass der Anlenkungsdraht im Kardanbolzen verbleiben und der Schnellverschluss durch Spreizen des Ruderhorns erfolgen solle. Der Kunststoff sei dafür ausgelegt und halte auf Dauer. Er dürfe natürlich nicht überdehnt werden, sonst schließt er nicht mehr.


Die Leitwerke sind beim neuen EasyGlider für mehr Transportfreundlichkeit demontierbar konstruiert Bild links). Zum Abnehmen der Leitwerke müssen auch die Kardanbolzen vorsichtig aus den Ruderhörnern gedrückt werden (Bild Mitte). Das zusätzliche Scharnier am Seitenleitwerk gibt dem Seitenruder mehr Präzision (Bild rechts).

Und die Tragflächen
Ein steifer Flügel sorgt für präziseres Fliegen, höhere Wendigkeit und weniger Fahrtverlust in Kurven und Wenden. Eine hohe Biegesteifigkeit hatte der EasyGlider schon immer. Der Neue hat dennoch einen neuen Holm bekommen. Er ist nicht mehr rund, sondern ein GFK-Vierkant-Rohr. Nach wie vor wird dieser Holm beim Zusammenstecken in entsprechende Kanäle in den Tragflächenhälften gesteckt, womit er auch als Flächenverbinder dient.
Bei einem runden Holm, der ja nicht mit der Tragfläche verklebt ist, kann sich die Fläche über dem Rohr verdrehen. Das ist beim Vierkant deutlich verringert. Gemeinsam mit dem verbesserten Schaummaterial ergibt sich so eine deutlich erhöhte Verdrehsteifigkeit. Diese ist für eine gute Performance noch entscheidender als die Biegesteifigkeit.
Beim Montieren der Tragflächen hatte ich zunächst Schwierigkeiten. Der Kanal in der Tragfläche war nicht weit genug für das Holmrohr, so dass sich dieses nur mit großer Gewalt einschieben ließ. Ebenso muss man etwas Kraft aufwenden, um die Tragflächen in ihre Aussparungen im Rumpf und ineinander zu drücken. Dieses komplette Zusammenbauen war im Neuzustand nicht möglich. Man müsste zu fest zupacken, was mit Sicherheit Dellen in der Flächenoberseite hinterließe. In meinem Stangenlager fand ich zufällig einen Vierkant mit einer 1 mm größeren Kantenlänge. Nachdem dieser – eingespannt in einem Schraubstock – einmal in jede Flächenhälfte gedrückt war, konnte ich die Tragflächen montieren, ohne dass jedoch zu viel Spiel entstanden war.
Auch hierzu teilte Multiplex fernmündlich mit, dass es natürlich produktionsbedingte Toleranzen gebe, wobei eine straffe Passung vom Hersteller beabsichtigt sei. Normalerweise sollte es jedoch von Hand gehen. Wenn nicht, so könne der Kunde den Flügel zu Multiplex zum Umtausch schicken.
Was bei der neuen Version leider entfallen ist, ist die Möglichkeit, eine Gewindestange als Ballast in das Holmrohr einführen. Es sei denn, man entfernt eine der Endkappen auf dem Vierkant-Rohr.

Der Vierkant-GFK-Stab ließ sich anfangs sehr schwergängig in die Flächenhälften schieben. Er sorgt aber für eine erhöhte Torsionssteifigkeit (Bild links). Um den Querrudern in der Landestellung mehr Ausschlag zu geben, kann man das Gestänge am Ruderhorn weiter innen einhängen (Bild rechts).

Änderungen beim Rumpf
Auch der Rumpf soll steifer geworden sein. Dennoch verbiegt und verdreht er sich im hinteren Bereich ein wenig, wenn man Seiten- oder Höhenruder betätigt. Ob das beim Fliegen einen wesentlichen negativen Einfluss hat, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Die beiden Querruder-Zuleitungskabel sind im Innern des Rumpfes, sauber aufgeräumt, hinter Kunststoffplatten nach vorne verlegt. Wenn alle Servokabel im Empfänger eingesteckt sind, muss man diesen jedoch zusammen mit allen Kabeln – zum Beispiel mit einer Holzlatte – ganz nach hinten schieben.
Dahingegen macht die zusätzliche Kunststoffplatte an der Kabinenhaube viel Sinn: Die beiden Bolzen zur Verriegelung der Haube sind dauerhaft (!) stabil fixiert. Zum Öffnen der Haube kann man diese an der Kunststoffplatte sicher greifen, wodurch das Schaummaterial längere Zeit ohne Druckstellen bleiben kann.

Der neue Antrieb
Nach der Übernahme der Roxxy-Produkte ins Multiplexprogramm spiegelt sich das nun auch in der Ausstattung des EasyGlider 4 wieder. Als Motor ist ein Roxxy C28-34-850kv und als Regler ein Roxxy BL-Control 720 S-BEC eingebaut. Das verspricht Power. Die Luftschraube ist eine MPX 9×6“. Am Spinner vermisse ich, was eigentlich einem so durchdachten Modell gut zu Gesicht stehen würde: der Gummi, der die Propellerblätter beim Transport am Rumpf angeklappt hält. Vielleicht hätte man sich ja auch eine elegante Lösung aus dünnem Federstahl einfallen lassen können…
Als Akku wird ein Roxxy-Evo-3s-LiPo mit 2.200 mAh vorgeschlagen. Dieser passt mit genügend Spiel in den Rumpf. Wie sich später herausstellen sollte, reicht auch ein 1.600er LiPo, um den Schwerpunkt ohne Ballastzugabe einstellen zu können. Mit dieser Akkugröße ergibt sich bei 16 A Strom eine Motor-Laufzeit von rund sechs Minuten. Rechnerisch erreicht man bei der Steigleistung von 6-7 m/s eine addierte Ausgangshöhe über 2.000 m. Mit dem 2.200er werden es entsprechend mehr.


Bei den RR- und RTF-Versionen sind ab Werk Roxxy-C28-34-850kv-Motor und Roxxy-BL-Control-720-S-BEC-Regler verbaut.

Made in Germany
Den EasyGlider 4 kann man auch als Baukasten beziehen, dann allerdings ohne Antrieb und ohne Servos. Muss man diese Komponenten sowieso kaufen, rentiert sich eine der RR- bzw. RTF-Versionen. Gegenüber dem Einzelkauf der Komponenten spart man bei der RR-Version knapp 60 Euro (nach Höllein-Preisen gerechnet). Die Kit-Variante lohnt sich nur, wenn man brauchbare Komponenten in der Schublade hat.
RR bedeutet, dass das Modell mit Servos und Antrieb fertig gebaut ist; bei RR+ ist zusätzlich ein MPX-Empfänger im Set enthalten. Die RTF-Versionen beinhalten dann noch zusätzlich Sender und Flugakku. Für diesen Test stand die RR-Version zur Verfügung. Klebearbeiten sind keine notwendig.
Das Modell ist absolut sauber verklebt. Die Komponenten sind präzise eingebaut. Das Schaummaterial heißt immer noch Elapor, die Oberfläche ist im Laufe der Jahre aber nicht nur glatter, sondern auch deutlich fester geworden. Unschöne Landespuren wird man also nicht mehr so schnell entdecken. Zumal der Rumpfboden im vorderen Bereich durch eine Folie zusätzlich geschützt ist. Und wer sein Modell noch etwas aufpeppen möchte, für den hält Multiplex neue Sprayfarben bereit, die auch ohne Grundierung gut haften. Was nicht unerwähnt bleiben darf und was ich als absoluten Pluspunkt in meiner Bewertung ansehe: Der EasyGlider 4 ist 100% made in Germany! Das ist in der heutigen Zeit eine hervorragende Leistung von Multiplex.

Ab in die Luft
Das Modell fliegt für ein Schaummodell dieser Größe relativ flott und macht dem erfahrenen Piloten damit richtig Spaß. Die Flächen sind erwartungsgemäß steif. Der Fahrtverlust in schnellen Wenden ist gegenüber den Vorgängerversionen gering, was ich auf die erhöhte Verdrehsteifigkeit der Tragflächen und die für ein Schaummodell relativ glatte Oberfläche zurückführe. Und: Der Gleitwinkel ist enorm – für ein Schaummodell. Das spürt man auch deutlich beim Landen. Aufgrund der Fluggeschwindigkeit wird ein absoluter Fluganfänger mit dem Modell überfordert sein. Bekommt er jedoch mittels Lehrer-Schüler-Betrieb Unterstützung von einem erfahrenen Modellflieger, dürfte dem Lerneifer nichts im Wege stehen.
Die mechanisch voreingestellten Ruderausschläge entsprechen noch nicht ganz den Vorgaben in der Anleitung. Sie haben aber schon sehr gut gepasst, außer beim Seitenruder. Nachdem ich diesen Ausschlag von 25 mm je Seite auf knapp 20 mm reduziert hatte, flog der EasyGlider 4 weniger hektisch.
Die zum Bremsen hochgestellten Querruder haben mit der ursprünglichen Einstellung relativ wenig Wirkung. Aufgrund des guten Gleitwinkels ist es deshalb hilfreich, den Ausschlag zu vergrößern. Dazu muss das Rudergestänge am Querruder weiter innen eingehängt werden und/oder am Sender der Servoweg auf Maximum gefahren werden. Wem das noch nicht reicht, der muss zusätzlich am Servo für mehr Weg sorgen. Das bedeutet aber schon einen kleinen „chirurgischen“ Eingriff. Auf Modellflugplätzen, wo ja genügend Platz ist, ist aber das Landen ohne diese Korrektur gut möglich.
Die vorgeschlagene Position für den Schwerpunkt ist auf der Tragflächenunterseite durch zwei kleine Knubbel, die man gut erfühlen kann, markiert. Diese Position ist recht konservativ und einsteigerfreundlich. Damit sich das Modell bei der Zunahme der Fluggeschwindigkeit nicht so sehr aufbäumt, habe ich eine Position um 5 mm weiter hinten gewählt.

Was bleibt?
So manch ein EasyGlider-Kenner fragte mich, was ich mit dem Modell gemacht hätte. Das auffällig gute Gleiten und das quirlige Flugverhalten erregten die Aufmerksamkeit. Aus fliegerischer Sicht kann ich nicht nur die Neuanschaffung, sondern auch ein Upgrade auf die Version 4 empfehlen. Der EasyGlider 4 ist ein Immer-dabei-gute-Laune-Modell.

EasyGlider 4
Verwendungszweck:           E-Segler für Thermik- und Hangflug
Modelltyp:     RTF-, RR- oder Kit-Modell
Hersteller / Vertrieb: Multiplex Modelltechnik
Bezug und Info:        Fachhandel, Infos bei www.multiplex-rc.de, Tel.: 07252 580930
UVP:  RR 189,90 €, RR+ 229,90 €, RTF 279,90 €, BK (Kit)   99,90 €
Lieferumfang (RR):  fertig aufgebautes Modell inkl. Motor, Regler, vier Servos, Propeller, Dekor und Anleitung
Erforderl. Zubehör (RR):    Sender, Empfänger, Flugakku
Bau- u. Betriebsanleitung: ausführlich, mehrsprachig, u.a. Deutsch, mit allen Einstellwerten   
Aufbau
Rumpf:           aus Elapor geschäumt
Tragfläche:    aus Elapor geschäumt
Leitwerk:        aus Elapor geschäumt
Motoreinbau: an Kopfspant
Einbau Flugakku:     unter Haube im Rumpf
Technische Daten
Spannweite: 1.815 mm
Länge:           1.080 mm
Spannweite HLW:    480 mm
Flächentiefe an der Wurzel:          200 mm
Flächentiefe am Randbogen:        ca. 150 mm
Tragflächeninhalt:    ca. 34 dm²
Flächenbelastung Testmodell:      ca. 29 g/dm²
Gewicht / Herstellerangabe:          1.100 g
Gewicht Testmodell o. Akku:         845 g
mit 3s-2.200-mAh-LiPo:     1.008 g
Antrieb im Testmodell eingebaut
Motor: Roxxy C28-34-850kv
Regler:           Roxxy BL-Control 720 S-BEC
Propeller:      MPX 9×6“
Akku:  3s-LiPo 1.600 bis 2.200 mAh
RC-Funktionen und Komponenten
Höhenruder: MPX Tiny S
Seitenruder:  MPX Tiny S
Querruder:     2 × MPX Nano S
Verwendete Mischer:          Querruder nach oben als Landehilfe, dazu Tiefenruder
Empfänger:   Multiplex RX-5 M-Link (verwendet)
Empf.-Akku:  BEC


Vom „großen Bruder“ Heron (im Hintergrund) flossen bewährte Konstruktionsmerkmale in den neuen EasyGlider 4 ein. Der EasyGlider 4 passt natürlich auch in die Multiplex-Transporttasche. In der Außentasche ist zusätzlich Platz für einen Handsender und etwas Zubehör.

Tipp: Gummi für die Luftschrauben
Unschön und unpraktisch sind frei bewegliche Propellerblätter. Mit Hilfe eines Gummis bleiben diese jedoch beim Transport angeklappt und damit auch nicht mehr irgendwo hängen. In der Luft hilft der Gummi ebenfalls beim Anklappen. Da hängt dann kein Propellerblatt mehr unschön nach unten und sorgt für unnötigen Luftwiderstand.

Die Öffnungen in der Spinnerkappe, durch die der Gummi geführt wird, werden mit einer Rundfeile oder einem Fräser hergestellt. Siehe Markierungen. Für den Gummi kann man zu den fertigen Ringen von Reisenauer greifen. Die Größe L passt beim EasyGlider. Oder man nimmt einen dünnen Gummi aus dem Nähbedarf (z.B. Elastic-Kordel 1,5 mm) und macht einen Knoten, den man unter dem Spinner versteckt.