Grunau Baby - 6 m Spannweite

Grunau Baby von Pichler

Bericht und Fotos: Frank Schwartz
Flugaufnahmen Horst Fedter
Veröffentlicht in FMT 12/2013
© 2013 Frank Schwartz, alle Rechte vorbehalten


Der Rumpf hat schon gewaltige Dimensionen. 2,70 m Länge müssen transportiert, aber auch gelagert werden können.
Weitere Bilder vom "Baby" am Ende des Artikels

Kann ein Hersteller ein ARF-Modell mit 6 m Spannweite ordentlich bauen? Ist es möglich, auch bei so einem Modell eine vernünftige Qualität zu garantieren? Wird ein solches Modell gute Flugleistungen haben? All diese Fragen wirft das Grunau Baby im Vertrieb von Pichler Modellbau auf. Die Antwort auf diese Fragen heißt nach dem Test für dieses Modell eindeutig: Ja. Dennoch ist es spannend, die Details dieses- ARF-Modells mit der nach meiner Kenntnis größten Spannweite genauer anzuschauen.

Die Größe
Das Grunau Baby ist ein abgestrebter Hochdecker, wobei sich Verstrebungen nicht nur an der Tragfläche sondern auch am Höhenleitwerk befinden. Ein Fahrwerk ist nicht vorhanden oder vorgesehen. Das Modell hat eine Kufe, wie dies auch meist beim Original der Fall ist. Die Tragfläche ist vierteilig ausgeführt. Jedes Tragflächenteil hat eine beachtliche Länge von etwa 1,5 m. In Verbindung mit der enormen Flächentiefe von 52,5 cm ergibt sich der Bedarf eines großen Kofferraums zum Transport. Extremer wird es noch beim Rumpf. Er wird zwar zweiteilig geliefert, das Beibehalten dieser Aufteilung für einen bequemeren Transport wäre aber sehr aufwändig in der Ausführung. Ohne das relativ leicht abzubauende Seitenruderblatt hat der Rumpf immer noch eine stolze Länge von 2,44 m.

Die Lieferung
Bei diesem Modell macht es Sinn, auch auf die Lieferung d.h. auf die Verpackung einzugehen. Geliefert wird in zwei gewaltig großen Kartons. Entsprechend hoch sind die Transportkosten! Der eine enthält die vier Tragflächenteile, der andere den zweiteiligen Rumpf sowie das Zubehör. Das sorgsame Auspacken des Modells nahm insgesamt über eine Stunde Zeit in Anspruch.
Die sorgfältige Verpackung schützt das Modell sicher beim Transport. So wird zum Beispiel der im ersten Karton eingelegte zweite Karton von einem Lattenrost umgeben. Die vier Teile der Tragflächen, Leitwerke und Rumpf(!) sind in stabilen Transporttaschen verpackt. Darin sind sie nochmal mit Noppenfolie eingehüllt. Alle Alurohre sind ebenfalls eingepackt, wie auch das Zubehör. Sämtliche Teile sind sicher gegen Verrutschen angebunden oder festgeklebt. Hier ist das Bestmögliche getan, dass beim Versand kein Schaden entstehen kann.
Dank der mitgelieferten Transporttaschen mit Klettverschlüssen und Trageschlaufen ist man schon mit einer komfortablen und sicheren Schutzverpackung für den Transport des Modells zum Flugplatz vollständig versorgt.
Zum Lieferumfang gehören alle zum Bau des Modells notwendigen Teile wie zum Beispiel Ruderhörner und Anlenkungen, so dass für den Zusammenbau des Modells tatsächlich nur die Fernsteuerkomponenten benötigt werden. In diesem Grunau Baby werden immerhin acht Servos und zwei Störklappen verbaut. Stopp, die Störklappen sind nicht im Lieferumfang enthalten. Hier empfiehlt Pichler die Verwendung von elektrischen Störklappen. Diese Empfehlung kann ich nur weitergeben. Nicht nur weil die Flächen dafür vorbereitet sind, sondern weil deren Einbau auch sehr bequem und der Betrieb sicher ist.

Fernsteuerkomponenten
Bei diesem Modell stand für mich außer Frage, dass ich hier das robbe/Futaba-S.BUS-System einsetzen werde. So kann ich den Kabelaufwand ohne Lötarbeiten deutlich minimieren. Jede Querruderklappe wird von zwei Servos angesteuert, jede Höhenruderklappe von einem Servo bedient. Da die S.BUS-Servos programmierbare Servos sind, ist es bei Bedarf möglich, jedes einzelne Servo im eingebauten Zustand über die S.BUS-Leitung anzusprechen und die Werte entsprechend den eigenen Wünschen zu verändern.
Die von robbe angebotenen Verlängerungs- und Verteilerkabel, die so genannten Hub-Kabel, haben einen erhöhten Leitungsquerschnitt von 0,5 mm² und kräftigere Stecker, die einen Dauerstrom von 6 A, in der Spitze 12 A verkraften. Das ist ausreichend, um auch in einem Modell wie dem Grunau Baby mit 6 m Spannweite genügend Energie an die Servos zu bringen.
Etwas Überlegung erfordert der Einsatz der elektrischen Störklappen, da diese weder S.BUS-fähig sind noch Spannungen über 6 V verkraften. Da ich mit einem LiFe-Akku ohne Spannungswandler operiere, musste ich mir hier etwas einfallen lassen. Es ergab sich eine zwar elegante, aber leicht kostspielige Lösung. Ein bisschen Luxus durfte sein.
Im Zusammenhang mit der S.BUS-Verkabelung konnte der kleine robbe/Futaba-Empfänger R7003 SB verwendet werden. Er hat vier Steckplätze: einen S.BUS-Ausgang, einen Eingang für Telemetrie-Sensorik und zwei Steckplätze für das Seitenruder- und Schleppkupplungs-Servos, die vorne im Rumpf platziert sind und somit direkt am Empfänger angesteckt werden können. Da sowieso mit sehr viel Ballast in der Rumpfspitze zu rechnen ist, habe ich einen LiFe-Empfängerakku mit 4100 mAh vorgesehen. Wie sich später herausstellen sollte, bringt er genügend Energie mit für einen langen Flugtag.

Die Anleitung
Dem Modell liegt eine ausführliche, 29-seitige Montageanleitung bei. Diese basiert hauptsächlich auf Bildern, die die einzelnen Bauabschnitte in der Regel sehr deutlich erklären. Einige der Bilder und Bauabschnitte werden durch kurze Texte ergänzt. Leider sind diese Texte, entgegen der in Deutschland herrschenden Vorschrift, ausschließlich in englischer Sprache vorhanden. Dafür hält diese Montageanleitung auch einen Scherz bereit: Wenn es ums Auswiegen geht, ist zu lesen, dass man das Modell mit allen Komponenten aber mit leeren Kraftstofftanks einstellen soll.
Die Anleitung verrät uns auch, dass das Modell „Made in Vietnam“ ist. Es stammt vom Hersteller Black Horse Model und ist bei uns im Vertrieb von Pichler Modellbau. Ebenfalls erfahren wir, dass das Modell mit Oratex-Gewebefolie bespannt ist. Diese ist übrigens sehr sauber verarbeitet und teilweise rot lackiert.
Für die gesamte Montage ist etwas Werkzeug notwendig aber fast kein Klebstoff. Lediglich zum Ankleben der Sitzverkleidungen und der Hutzen beim Austritt der Seitenruder-Anlenkungskabel soll Sekundenkleber zur Anwendung kommen. Das macht schon mal Laune.

Tragflächen und Leitwerke
Die Querruder sind, wie auch die Höhen- und das Seitenruder, bereits fertig montiert und laufen in Hohlkehlen. Alle Ruderhörner – übrigens doppelarmig – sind anzuschrauben. Die Servos werden in die vorbereiteten Deckel geschraubt. Doch leider musste bei drei der insgesamt sechs Servo-Halter etwas nachgearbeitet werden.
Im Flügel ist mir eine Pappröhre aufgefallen, die in der Anleitung keine Erwähnung findet. Bei näherem Hinsehen wird aber schnell klar, dass dies eine Führung für die Servo Kabel ist. Eine clevere und hilfreiche Detaillösung. Auch im Rumpf befindet sich eine solche Führung.
Leider war ein Querruder deutlich verzogen und musste mit Hilfe von Föhn und Gewichten in Form gebracht werden.
Zu den beiden inneren Tragflächen-Teilen ist in der Anleitung relativ wenig gesagt. Insbesondere fehlen hier Hinweise zum Einbau der Störklappen. Die Schächte sind zwar vorgesehen, müssen nur noch mit einem scharfen Messer freigelegt werden. Eindeutig ist, dass hier elektrische Störklappen verwendet werden sollen, ein Platz für ein Servo zur Anlenkung von mechanischen Störklappen ist nicht vorgesehen. Da das Führungsrohr für die Servokabel bis zur Endrippe durchgezogen ist, muss das Rohr aufgeschnitten werden, um das Kabel zur Störklappe führen zu können. Das ist aber kein größeres Problem. Alle notwendigen Einschlagmuttern, wie zum Beispiel für die Befestigung der Streben oder Servicedeckel, sind bereits montiert.
Die Montage der Höhenruder-Servos und der Befestigung für die Strebe des Höhenleitwerks erfolgt analog zu den Tragflächen. Auch hier war leider auch ein deutlicher Verzug in einer der beiden Höhenruderklappen festzustellen, der mit einigem Aufwand beseitigt werden musste, was aber letztendlich – auch aufgrund der qualitativ hochwertigen Folie – gelang. Das Seitenruder ist bis auf das Einschrauben der Ruderhörner fertig. Es wird, wie bei großen Seglern üblich, mit einer langen Metallstange in drei Lagern befestigt. Die Anleitung gibt vor, den Draht zur Befestigung des Seitenruders bündig abzuschneiden und mit Epoxy zu verkleben. Davon rate ich ab, da das Seitenruderblatt dann nicht mehr für den Transport entfernt werden kann, was aber aufgrund der Größe des Rumpfes sehr, sehr sinnvoll ist.

Rumpf
Die Montage des Rumpfes beginnt mit dem Zusammenfügen der beiden Rumpfteile. Das ist ganz easy. In den beiden Rumpfhälften sind jeweils zwei Papp-Rohre verklebt. In diese steckt man zwei Alurohre. Die Passgenauigkeit ist sensationell. Vier Kunststoff-Schrauben halten die Rumpfteile sicher zusammen. Wie an allen Stellen in diesem Modell, sind auch hier die Einschlagmuttern bereits montiert und die entsprechenden Löcher gebohrt.
Aussparungen für die Servos für das Seitenruder und die Schleppkupplung sind – ich muss mich hier schon wieder wiederholen – fertig vorhanden. Die Anlenkungs-Seile für das Seitenruder aus Fesselflug-Litze sind eingezogen und müssen nur noch passgenau verklemmt werden. Einzig ein etwas breiterer Steuerhebel für das Seitenruder-Servo muss beigestellt werden.
Die sehr massive Schleppkupplung ist ebenfalls fertig, so dass sich der Einbau der Anlenkung auf wenige Handgriffe beschränkt. Leider sitzt diese Schleppkupplung unter der Haube, also etwa 30 cm von der Rumpfspitze entfernt nach hinten versetzt. Zum Einhängen des Schleppseils muss deshalb jedes Mal die Haube, befestigt mit zwei Kunststoff-Schrauben, abgenommen werden. Das ist umständlich. Sinn macht die außergewöhnliche Position dieser Schleppkupplung, wenn man auch die vorbereitete Möglichkeit nutzen will, ein Flitschen-Seil von unten einzuhängen.
Auf der Unterseite des Rumpfes ist die massive Kufe aus Aluminium anzubringen. Sie wird vorne mit zwei Schrauben und hinten auf eine ebenfalls fertig montierte Einheit aus Alu-Rohren mit einer Federung verschraubt. Die beiden Räder sollen lediglich die beim Vorbild vorhandenen Dämpfer darstellen, sind also Attrappen. Leider passten die Bohrungen zum Verschrauben der Kufe mit einem Versatz von fast 10 mm nicht. Hier musste ich mühsam nacharbeiten.
Ja und damit das Cockpit nicht so leer aussieht, liegt dem Modell auch ein Pilot mit Dauergrinsen bei. Man sieht ihm förmlich an, dass er sich auf das Fliegen freut. Allerdings hat er, maßstäblich umgerechnet, lediglich eine Größe von 1 m.

Erster Zusammenbau
Bis das Modell zum ersten Mal zusammen gesteckt werden kann und alle Ruderfunktionen funktionsfähig sind, vergehen nur wenige Bau-, nein Montage-Stunden. Die beiden Tragflächen-Innenteile werden mithilfe zweier massiver und langer Alu Rohre mit dem Rumpf verbunden. Ebenso erfolgt die Verbindung der Tragflächen-Außen-Teile über zwei, etwas kleinere, Alu Rohre. Und last, but not least werden auch die beiden Höhenleitwerk-Hälften über einen Alu Rohr auf den Rumpf gesteckt. Bei all diesen Steckungen ist eine hohe Passgenauigkeit gegeben. Hier wurde beim Produzenten wirklich exakt gearbeitet. Kompliment. Die Arretierung aller Tragflächenteile erfolgt über Kunststoff-Schrauben, die man aber auf jeden Fall auf die Hälfte der Länge kürzen kann. Sie werden mit der Hand eingedreht und fest gezogen. Werkzeug ist nicht erforderlich. Diese Schrauben wie auch die Servo-Steckverbindungen sind unter insgesamt vier Deckeln auf der Tragflächen-Oberseite zugänglich. Jeder dieser vier Deckel wird mit zwei 3-Millimeter-Schrauben und Unterlagscheibe befestigt. Hier würden Magnete oder Riegel die Montage auf dem Flugplatz deutlich verkürzen. Ansonsten ist alles gut zugänglich und leicht zu bewerkstelligen.
Die beiden Höhenleitwerk-Hälften werden je mit zwei 3-Millimeter-Schrauben am Rumpf arretiert. Wieder eine Fusselarbeit.
Aber noch nicht genug damit. Auch die Streben sollen mit 3-Millimeter-Schrauben befestigt werden, das sind hier acht an der Zahl. Da man hier nah an Rumpf und Fläche arbeiten muss, auch hier eine ziemliche Fummelei. Vor allem aufgrund der Verwendung dieser 20 kleinen Schrauben erfordert der Zusammenbau des Modells auf dem Flugplatz eine halbe Stunde Zeit. Der Abbau natürlich auch. Also sollte man das Modell nur bei stabiler Wetterlage montieren!
Die bei den Streben verwendeten Schrauben mussten nach der ersten Demontage entsorgt werden. Das verwendete Material ist relativ weich, so dass Gewinde und Inbus-Kopf schnell verschlissen waren.
Da die Streben nicht wirklich gut gepasst hatten, musste ich neue Alu-Vierkantrohre für die Flächen-und Höhenleitwerks-Streben für den Rumpf herstellen. Leider kamen dadurch die Verschraubungen noch näher an den Rumpf heran.

Fliegen
Vor dem Fliegen kommt das Einstellen der Ruderausschläge und des Schwerpunktes. Zu den Ruderausschlägen gibt die Montageanleitung Hinweise. Die dort angegebenen Werte kamen mir allerdings etwas zu klein vor. Ich habe folgende Einstellwerte erflogen (immer an der tiefsten Stelle des Ruders gemessen): Querruder +30/-30 mm, Höhenruder +60/-50 mm und Seitenruder +/-50 mm. Eine Querruder-Differenzierung habe ich beim Fliegen nicht vermisst.
Um den richtigen Schwerpunkt einzustellen, bedarf es doch recht ordentlicher Vorräte an Gewichten - oder hilfsbereite Vereinskollegen. Ganz knapp 4 kg musste ich in der Rumpfspitze unterbringen. Keine ungewöhnliche Menge für ein solches Modell, aber man muss sie erst mal haben. Am Ende habe ich das vorgegebene Fluggewicht nur ganz knapp überschritten.
Die nächste Frage, die geklärt werden muss: wie kommt das Modell in die Luft? 18 kg auf Kufe, kein Rad! Da braucht es schon Kraft. Also erfolgte der Erstflug bei Autorenkollege Christian Huber, der mit seiner Columbia 400 das Vorhaben sofort unterstützte. Sein 3,8 m spannendes Modell wird von einem Boxermotor mit 111 Kubikzentimeter angetrieben. Das sollte doch reichen. Übrigens erschien der Testbericht über dieses Modell in FMT 6/2013.
Wie wird das Grunau Baby fliegen? Die Flächeninnenteile haben eine extrem starke Schränkung und das innen stark gewölbte Profil verändert sich deutlich in Richtung S-Schlagprofil vor dem Querruder. Passen die Ruderausschläge, die ich nicht entsprechend der Montageanleitung eingestellt habe? Wird das Modell geradeaus fliegen oder werde ich, wie bei vielen Oldtimern dieser Art, permanent um die Hochachse korrigieren müssen? Werde ich das Modell präzise genug steuern können um eine vernünftige Landung zu bewerkstelligen? All das und noch viel mehr ging mir durch den Kopf, während ich das Schleppseil einhängte.
Schlepppilot und Schleppmaschine waren für den Erstflug richtig gewählt. Es braucht doch viel Kraft, das 18 Kilo Gramm schwere Modelle auf seiner Kufe im Gras zu beschleunigen. Da die Kufe hinten sehr hoch ist, zieht das Schleppseil das Modell noch mehr auf die Nase, was die Beschleunigung am Boden zusätzlich bremst. Dementsprechend wird eine relativ lange Strecke benötigt, bis der Segler genügend Fahrt hat, um abheben zu können.
Ansonsten waren all die Fragen, die ich mir zu vorgestellt hatte, unnötig. Willig und ohne irgendwelche Tendenzen zum Ausbrechen folgte das Baby der 19 Kilo schweren Schleppmaschine. Die Ruderausschläge waren nahezu richtig gewählt. Am Höhenruder musste ich nichts korrigieren, die Querruder Ausschläge konnten für den normalen Flug auf 70 % reduziert werden. Ich ließ mir aber die Möglichkeit, auf den größeren Ausschlag umschalten zu können.
Kurz und gut: dieses Grunau Baby folgt erstaunlich präzise allen Ruderausschlägen. Auf die Querruder reagiert es prompt und das Seitenruder unterstützt sehr gut den Kurvenflug. Thermik nimmt das Modell sehr gut an, relativ enges Kreisen ist aufgrund der guten Seitenruderwirkung möglich. Die Wirkung des Höhenruders ist alles andere als nervös, mit 35 % Expo sehr angenehm. Die Fluggeschwindigkeit pendelt im Normalflug um gemütliche 60 km/h. 40 km/h sind nicht kritisch, in der Spitze habe ich auch schon mal 100 km/h erreicht.
Werden die Störklappen ausgefahren, geht das Modell leicht auf die Nase. Das ist super. Die Beimischung eines Höhenruder-Ausschlags zur Korrektur der Lage ist nicht notwendig. Den Landeanflug kann man wunderbar dosieren. Schon vom ersten Flug an gelang es mir, das Modell präzise bei Fuß zu landen. Jede Sorge um ein kritisches Flug- oder Landeverhalten war absolut unbegründet.
Man hat eigentlich nicht das Gefühl, ein so großes Modell zu steuern. Diese Aussage sollt allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hier ein 18 kg schweres Groß-Modell fliegt. Erfahrung mit Seglern von 4 - 5 m Spannweite sollten unbedingt vorhanden sein, bevor man sich an dieses Grunau Baby wagt.

Veränderungen
Für ein besseres Handling beim Zusammenbauen und für reibungsloseres Schleppen habe ich folgende Veränderungen bereits umgesetzt bzw. geplant: Um der Fummelei entgegenzuwirken und um die Aufbauzeit zu verkürzen, habe ich bei den Streben die 3-Millimeter-Schrauben durch Splinte aus dem RC-Car-Bereich ersetzt. Um beim Schlepp die Reibung am Boden zu verringern, überlege ich mir, entweder die Kufe im hinteren Bereich deutlich näher an den Rumpf zu bringen oder ich baue - noch besser - ein Rad ein. Die Schleppkupplung werde ich in die Rumpfspitze verlegen. Bei den Service-Deckeln in der Tragfläche werden die Schrauben durch Magnete oder Riegel ersetzt. Da ich auf 100-prozentige Scale-Optik nicht so großen Wert lege, kann der Pilot vorerst mal bleiben.

Fazit
Alles in Allem kann ich sagen, dass die Montage des Modells aufgrund des doch meist hohen und passgenauen Vorfertigungsgrades einfach und flott von der Hand geht. Nur wenige Stellen, wie schiefe Servobefestigungen, falsch gesetzte Bohrungen in der Kufe und die etwas zu langen Streben drüben diesen Eindruck ein wenig. Ansonsten bin ich mit der Bauausführung zufrieden. Die verwendeten Materialien sind OK, mit Ausnahme der zu dünnen und zu weichen 3-Millimeter-Schrauben zur Strebenbefestigung.
Trotz des vierteiligen Flügels, muss man sich Gedanken machen wie und ob man das Modell zum Flugplatz transportieren kann, aber auch, ob man zuhause entsprechende Lagerkapazitäten zur Verfügung hat.
Beim Fliegen hat mich das Modell absolut überzeugt. Für ein Modell dieser Größe hat es ein angenehmes Steuerverhalten und absolut keine Zicken. Für Pilot und Zuschauer ist es auch ein optischer Genuss, vor allem wenn das Licht von oben durch die Tragflächen scheint. Letztlich stimmt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Hier bekommt man sehr viel Flugzeug fürs Geld.


Start zum Erstflug auf einem Segelflugplatz im Schwarzwald. Dort stand eine lange Piste zur Verfügung, was für den Start gar nicht so schlecht war. Zieht die Schleppmaschine an, geht der Segler „auf die Nase“ und nimmt das Heck entsprechend hoch. Das erhöht zusätzlich die Reibung. Außerdem braucht das Modell mehr Fahrt als notwendig, um abheben zu können.


Die Reibung der Kufe am Boden ist bei diesem 18-Kilogramm-Modell gewaltig. Hier müssen sich Mensch und Schleppmodell ordentlich anstrengen.


Willig folgt das Grunau Baby der Schleppmaschine.


Das fantastische Flugbild, vor allem wenn das Licht von oben durch die Bespannung scheint, begeistert Pilot und Zuschauer.


Die Wirkung der Störklappen ist effektiv und harmonisch. Schon vom ersten Flug an gelangen Landungen bei Fuß.


Passen gut zusammen: Columbia 400 mit 3,8 m Spannweite (Testbericht in FMT 6/2013) und Grunau Baby.


So weit das Auge reicht: sauber gelaserte und akkurat verbaute Holzteile aus leichtem Sperrholz. In der Mitte die Pappröhre für die Servo-Kabel.


Alle Steckungen sind sehr passgenau gearbeitet. Sie passen stramm und haben kein Spiel.


Das Cockpit ist fertig ausgebaut und montiert.


Erstaunlich wenig Zubehör muss verbaut werden …


… dafür gibt es aber eine Menge Schräubchen, sauber nach Baugruppen verpackt in stabilen Tüten.


Kleine Details: die Anlenkungsseile für das Seitenruder sind bereits eingezogen. Die grüne Unterlage wird dazu gebraucht, dass die Beschlagteile den Rumpf beim Transport nicht eindrücken.


Auch die Tragflächen sind sehr sauber verarbeitet. Die Pappröhre für die Servo-Kabel beginnt auf der einen Seite des Flügel-Innenteils erst nach dem Servicekasten und endet auf der anderen Seite mit der Abschlussrippe.


Alle Kunststoffschrauben sind so ausgeführt, dass sie mit der Hand angedreht werden können. Dann macht es aber besonders viel Sinn, sie auf ein vernünftiges Maß herunter zu kürzen.


Das Seitenruderblatt ist bis auf das Einschrauben der zweiarmigen Ruderhörner fertig.


Ein deutlicher Verzug musste in einem der Höhenruder und in einem der Querruder beseitigt werden.


Der Verzug der beiden Ruderblätter erforderte einige Gewichte, einen starken Heißluft-Föhn und etwas Geduld. Die Ruder, wie hier gut zu sehen, sind in Hohlkehlen gelagert und fertig montiert.


Eine ordentliche Fummelei auf dem Flugplatz, die kleinen Schrauben für die Streben so nah an Tragfläche und Rumpf zu befestigen. Hoffentlich fällt keine Schraube oder Mutter ins Gras.


Leider hat die Kufe nicht gepasst. Vorne angeschraubt ergibt sich am Ende der Kufe ein Versatz von fast 1 cm.


Die Löcher für die Befestigungsschrauben der Kufe mussten verlängert werden, damit die Kufe passte


Acht Servos mit Stellkräften zwischen 5 und 10 kg sind zur Anlenkung aller Funktionen ausreichend.


Die S.BUS-Servos sind schnell adressiert und können bei Bedarf später in ihren Digitalfunktionen über die S.BUS-Leitung programmiert werden.


Von den sechs Servo-Aufnahmen für die Querruder- und HLW-Servos waren drei deutlich schief zusammengeklebt. Dies ist aber relativ leicht zu korrigieren


Die vorgesehenen Schrauben für die Servo-Steuerhebel sind zu lang. Sie müssen gekürzt werden oder man verwendet gleich welche mit einer Länge von 10 mm.


So sieht es schon besser aus. Aber auch auf der rechten Seite muss der Ausschnitt im Deckel nachgearbeitet werden.


Der Einbau der elektrischen Störklappen ist einfach, ihre Einbindung ins S.BUS-System erfordert etwas Tüftelei.


Wenige Komponenten reichen dank S.BUS hier vorne: Empfänger, Hub-Verteiler, zwei Servos, Akku und Ein-/Ausschalter. In der Mitte die fertige Schleppkupplung. Die Aussparungen für alle Servos sind für Standardgröße 20 × 40 mm vorbereitet.


Die S.BUS-Servos können von jeder beliebigen Stelle im S.BUS-Strang in ihren Digitalfunktionen programmiert werden. Alle robbe/Futaba S.BUS- und HV-Servos können auch konventionell verwendet werden.