Interview mit OLC-Pilot Frank Schwartz

Bericht: Zeitschrift prop
Veröffentlicht in prop 3/2013
© 2013 prop

Wie bist du darauf gekommen, eine Schaumwaffel für OLC-Flüge einzusetzen?
Der Arcus Sonic ist für mich ein E-Segler ‘für alle Fälle‘. Zuerst wollte ich ihn nur einsetzen, um mich an das OLC-Fliegen heranzutasten. Doch bald merkte ich, dass in diesem Modell auch großes Potential für höhere Punktzahlen im OLC steckt. Deshalb habe ich intensiv und ausschließlich mit dem Sonic in der Ebene und vor allem am Hang geflogen. Die Belohnung waren einige recht hohe Punktzahlen. Dabei flog ich nur einmal mit einer Gewindestange als Ballast, was mir ein zweites Mal 93 Punkte einbrachte.

Worin siehst du den hauptsächlichen Unterschied beim Fliegen am Hang gegenüber dem Fliegen in der Ebene?
Ein großer Vorteil des Fliegens am Hang ist, dass man den Start-Ziel-Kreis „in Augenhöhe“ setzen kann. Das erleichtert enorm die Trefferquote bei der Rückkehr und die Einschätzung, ob man höher ist, wie beim Abflug. Da man ihn nahe an der Hangkante setzen kann, hat man immer einen guten optischen Bezug zum Erdboden. Setzt man ihn zudem über einer markanten Geländestelle (Stein, Busch etc.), ist das Wiederfinden und Treffen ganz einfach.

Dein Modell hat einen Elektromotor. Warum?
Ich flog in diesem Jahr die OLC-Flüge immer mit E-Motor, schalte ihn im Flug aber nicht ein. Der Motor erlaubt mir, riskanter zu fliegen, immer auf’s Ganze zu gehen. Allerdings versuche ich, selbst aus Absaufern ohne Motorkraft herauszukommen. Sobald ich dennoch Motor brauche, beende ich den Flug und starte das Modell im Handstart neu. Mit Motor würde ich den SZK in größerer Höhe oder weiter vom Hang entfernt setzen müssen, der „Hang-Vorteil“ geht verloren.

Nutzt du Telemetrie?
Meine FX-32 gibt mir ständig den Vario-Ton. Mittels eines 3-Stufen-Schalters lasse ich mir wahlweise Höhe und Entfernung ansagen oder schalte diese Ansage nach Bedarf aus, um nur auf das Vario zu hören. Üben muss man, den Versatz zwischen Messwert und Ansage zu interpretieren. Denn, je schneller man fliegt, desto weiter ist man, bis die Ansage fertig ist. Aber es ist sowieso besser und sicherer, etwas weiter wie das Minimal-Dreieck zu fliegen. Übrigens: Das Gepiepse und die Ansagen nerven die umstehenden Kollegen. Deshalb immer via Kopfhörer aufs Ohr! Bei mir kabellos via Bluetooth.

Wo platzierst du den Start-Ziel-Kreis (SKZ)?
Selten ist es sinnvoll, den SZK direkt vor sich zu setzen. Sofern es der Hang hergibt, besser nach rechts oder nach links weg. Ideal, wenn der SZK dann gleich eine Ecke des Dreiecks ist. So kann ich an der Hangkante notfalls Höhe tanken, ohne durch den SKZ fliegen zu müssen. Ich achte aber darauf, dass ich noch genügend Platz habe, um von außen Schwung zu holen. Selbst beim Anstechen aus 100 m Höhe wird der Arcus Sonic nicht so schnell, dass er die maximale Höchstgeschwindigkeit beim Ausflug aus dem SZK überschreitet.

Gibt es Unterschiede bei den Geländen oder Wettersituationen?
Die schnellsten Runden fliegt man nach meiner Erfahrung in senkrecht aufsteigender Luft. Also in einer großflächig aufsteigenden dynamischen Anströmung oder in ausgedehnter, stabiler Thermik, wie man sie in den Alpen oft hat (zum Beispiel auf der Seiser Alm oder der Bichl Alm). Ist eine horizontale Luftbewegung dabei, wird die Fluggeschwindigkeit in der Gegenwindphase langsamer und in der Mitwindphase hat man unter Umständen mit stärkerem Sinken zu rechnen. Bei Hängen mit meist schmalem, dynamischem Aufwindband ist man darauf angewiesen, weiter draußen thermische Aufwinde zu finden (zum Beispiel auf der Wasserkuppe).

Wie fliegst du die Dreiecke?
Nach dem Handstart mit dem Arcus Sonic markiere ich den SZK (eine scharfe 90- oder 180-Grad-Kurve) und fliege sofort in den Dreieckskurs. Jedes Steigen wird weggedrückt und in Geschwindigkeit umgesetzt. Manchmal passt schon die erste Runde. Mit den Erfahrungen aus den vorhergehenden Runden, wo es besser trägt usw., korrigiere ich den Kurs der nächsten.