Pures Vergnügen

Vom E-Segler  zum Segelflugzeug - am Beispiel des Arcus Sonic

Bericht und Fotos: Frank Schwartz
Veröffentlicht in FMT 03/2014
© 2014 Frank Schwartz, alle Rechte vorbehalten


Macht doch was her und sieht richtig erwachsen aus!

Segelflugmodelle aus Schaum-Materialien gibt es in großer Zahl – mit Elektroantrieb. Doch ganz, ganz selten geworden sind Segler aus diesen Materialien und ohne Antrieb. Das „reine“ Segelfliegen übt aber eine ganz besondere Faszination aus: der Kampf ums Obenbleiben erreicht eine andere Dimension. Sowohl in der Ebene als auch am Hang. Will man ein solches Segelflugmodell aus Schaum-Materialien betreiben, bleibt fast nur der Umbau.

Manchmal geht es ganz leicht, einen E-Segler umzurüsten. Ich will das hier am Beispiel des Arcus Sonic von robbe beschreiben. Für den Flug am Hang reicht es, Motor, Regler, Luftschraube und Spinner auszubauen und Letzteren durch eine neue Rumpfspitze zu ersetzen. Man kann sich diesen Kick auch verschaffen, indem man einfach einmal die Propellerblätter abschraubt. Für den Flug in der Ebene bietet es sich an, eine Schleppkupplung einzubauen. Alle verfügbaren Schaum-Segler sind so leicht, dass sie mit kleinen Motormodellen, die mit Antrieben um 3s3000 ausgerüstet sind, sehr einfach im Schlepp auf Höhe gebracht werden können. Das macht besonders viel Spaß und fördert das Miteinander auf dem Modellflugplatz.

Wann rentiert es sich, einen E-Segler zurück zu bauen? Klar, wenn der Antrieb einmal seinen Geist aufgegeben haben sollte. Aber das wollen wir nicht hoffen. Die eigentlich einzig richtige Antwort lautet: ich will es einfach!

Die Demontage des E-Antriebs ist in der Regel ganz einfach. Schwieriger ist es, einen passenden Spinner, bzw. eine passende Rumpfspitze für unseren „neuen“ Segler aufzutreiben. Im Falle des Arcus Sonic passte ein Seglerspinner aus meiner Restekiste. Dieser stammte ursprünglich ebenfalls von einem robbe-Modell, dem Parabolic. Dieses Modell wurde so ausgeliefert, dass man als Kunde die Wahl hatte, ihn als Segler oder als E-Segler zu bauen. Und eben diese Segler-Rumpfspitze passt fast genau auf den Arcus Sonic.

Die neue Rumpfspitze wird über die vorhandenen Löcher angeschraubt. Dazu sind diese auf den Motorspant des Arcus Sonic zu übertragen und aufzubohren. Innen kommen zwei möglichst große Unterlagscheiben auf die Schrauben, so dass die Kraft großflächig übertragen wird. Doch zuerst muss noch die Schleppkupplung in die Rumpfspitze. Am einfachsten lässt sich dies mit der Multiplex-Schleppkupplung realisieren. Dazu wird die Rumpfspitze von innen stufenweise bis zu einem Durchmesser von 10 mm aufgebohrt. Eventuell ist die Bohrung noch etwas an nachzuarbeiten, bis die Schleppkupplung stramm hineinpasst. Dann einfach von innen mit viel 5-Minuten-Epoxy ein kleben. Viel Kleber schadet nichts, es wird sowieso Gewicht in der Rumpfspitze benötigt. Auch kann man schon etwas Blei in Form kleiner Kügelchen mit einharzen.

An geeigneter Stelle, wegen des Schwerpunktes möglichst weit vorne im Rumpf, ist nun das Servo für die Schleppkupplung unterzubringen. Die elegante Lösung heißt, ein Servo-Brettchen anzufertigen und einzukleben, worin das Servo angeschraubt wird. Natürlich kann man das Servo auch an der Rumpf-Seitenwand oder dem Rumpfboden festkleben. Ein preiswertes Servo mit 1 bis 2 kg Stellkraft ist bei einem solch leichten Segler vollkommen ausreichend. Bleibt nur noch übrig, den Draht zur Schleppkupplung einzupassen. Am Servo wird einfach ein Z in den Draht geformt und dieser damit im Servo-Hebel eingehängt. Die Feinjustage des Servo-Ausschlages erfolgt über die Fernsteueranlage. Schon ist unser Segler fertig.


Die neue Rumpfspitze ist bereits aufgebohrt, so dass die Multiplex-Schleppkupplung von innen hineinpasst.


Mit Kleber muss man nicht sparen, Gewicht wird sowieso benötigt. man könnte auch gleich ein paar Bleikugeln mit einharzen.


Denkbar ist, diese Rumpfspitze im Wechsel in mehreren Modellen einzusetzen, da sie nur angeschraubt und nicht verklebt wird. Wenn keine solche Rumpfspitze zur Verfügung steht, kann man auch einen entsprechenden Spinner verwenden.


Das ist die elegante Lösung: ein Sperrholzbrett für Schleppkupplungs-Servo und Schalter.

Um die Sache wirklich rund zu machen und um dem Spieltrieb zu frönen, gibt es noch eine Möglichkeit der Steigerung: Vollkommen überdimensioniert aber witzig ist es, den Arcus Sonic in seiner Seglervariante stilecht mit einem Einziehfahrwerk auszurüsten. Diese Idee kam mir als ich die Beschreibung der drei elektrischen Einziehfahrwerk (EZFW) von Lindinger für bauen & fliegen, Ausgabe 4/2013 erstellt hatte. Eigentlich sollten die Fahrwerke zurück an den Lieferanten, doch das kleinste EZFW war so putzig, dass mir eben diese Anwendung in den Sinn kam.

Der Arcus Sonic hat am Rumpfboden einen Schacht mit Kunststoffdeckel, unter dem die zwei Servos für Höhe und Seite sowie der Empfänger untergebracht sind. Der Empfänger bekommt in der Seglervariante sowieso weiter vorne im Rumpf seinen Platz, die beiden Servos können an Ort und Stelle bleiben. Der Kunststoffdeckel und dessen Lagerungen wurden entfernt. Dem Schaummaterial bin ich mit einem Cutter-Messer solange zu Leibe gerückt, bis das Fahrwerk inklusive zweier aufgeschraubter Leisten genau hinein passte. Nur die Leisten wurden mit dem Rumpf verklebt. So kann das Fahrwerk bei Bedarf ganz einfach wieder herausgenommen werden. Der Vorteil beim elektrischen Einziehfahrwerk ist, dass kein zusätzliches Servo zum Ein- und Ausfahren und keine Justage einer Anlenkung notwendig sind. Also einfach Servo-Stecker in den Empfänger, den Ausgang mit einem Schalter belegen, fertig!

Man muss damit rechnen, dass man auf dem Flugplatz belächelt wird, wenn man mit einem Schaumodell und eingebautem Einziehfahrwerk auftaucht. Da steht man aber drüber und hat Spaß, mit einem solch erwachsenen Segler zu fliegen ……. und zu landen.


Das kleine elektrische Einziehfahrwerk von Lindinger passt sehr gut in den vorhandenen Rumpfausschnitt. Hinten musste mit etwas Schaum aufgefüllt werden.


Nur die beiden Holzleisten sind eingeklebt. So kann das Fahrwerk jederzeit herausgeschraubt werden. Jetzt fehlen nur noch zwei Klappen für den Fahrwerksschacht …