Die Wasserkuppe

Bericht und Fotos: Frank Schwartz
Veröffentlicht in FMT-Extra RC-Hangflug 2012
© 2012 Frank Schwartz, alle Rechte vorbehalten

Wasserkuppe
DER Berg der Flieger – weltweit einzigartig

Berg der Flieger. Die Geburtsstätte des Segelfluges überhaupt. Mythos - Geschichte - Gegenwart. Als Flugbegeisterter muss man einfach einmal dort gewesen sein, die Atmosphäre erlebt haben, das Miteinander der verschiedenen Flugsportarten gesehen haben. Die Wasserkuppe bietet aber darüber hinaus – auch touristisch – noch viel, viel mehr. Bei meinen letzten Besuchen bin ich immer wieder der Frage nachgegangen, ob es sich wirklich lohnt, die Wasserkuppe auch zum Modellfliegen zu besuchen. Die klare Antwort lautet: Ja!

Die Höhenbegrenzung auf 100 m, an zwei Hängen sogar auf 50 m, die auferlegten Regeln, der zahlenmäßig meist starke Flugbetrieb lassen erst einmal das Gegenteil vermuten. Jedoch auch hier gilt: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die Höhenbegrenzung stellt sich nicht als Problem dar. 100 m sind für die meisten Modelle schon verdammt viel. Die Regeln dienen dem harmonischen Flugbetrieb und sorgen dafür, dass uns diese Möglichkeit an diesem fantastischen Ort noch über Jahre erhalten bleiben wird. Klar, es kostet manchmal etwas Überwindung, sein Modell zu starten, wenn schon 20 andere in der Luft sind. Die Weitläufigkeit des Geländes erleichtert aber auch dies. Im Gegenteil. Man kann sich auch in der Horizontalen meist „aus dem Weg fliegen“. Und die Weitblicke in die Landschaft sind faszinierend. Nach dem Mauerfall liegt die Wasserkuppe fast zentral mitten in Deutschland und ist somit aus allen Richtungen gut zu erreichen. Und last, but not least: von diesem für den Segelflug so geschichtsträchtigen Berg geht eine gewaltige Faszination und Anziehungskraft aus, die jeder für sich anders beschreiben würde. Eines bleibt. Hier muss man als Modell-Segelflieger einmal geflogen sein. Einmal mindestens!

Ich kannte die Wasserkuppe aus einer Zeit, die schon über 20 Jahre zurück liegt. Ich war damals das ein oder andere Mal dort. Habe dann aber für mich entschieden, dass ich an diesem – oft ungeregelten – Modellflugbetrieb nicht teilnehmen muss. Die Stimmung am Hang war nicht gut, geprägt von der Angst einer Kanaldoppelbelegung. Einige Piloten nutzten so genannte „schwarze“ Kanäle, was sie aber nicht zugeben durften. Das trug keinesfalls zum Wohlfühlen bei. Gelandet wurde kreuz und quer, schnelle Vorbeiflüge direkt an den Köpfen der Piloten waren keine Seltenheit.

Vor etwa drei Jahren führten mich berufliche Gründe ein paarmal zur Wasserkuppe und bei diesen Terminen hatte ich die Gegebenheiten ganz anders erlebt. Daraufhin nahm ich auch einmal wieder etwas zum Fliegen mit, war mittlerweile des Öfteren dort und habe mich jedes Mal sehr wohl gefühlt. Verändert haben sich die Rahmenbedingungen, die Regeln und die verantwortlichen Menschen, die das Geschehen lenken. Daneben hat sicher auch die 2,4-Gigahertz-Technik der Fernsteueranlagen zu einer wesentlichen Entspannung auch an den Hängen der Wasserkuppe geführt. Heute fliegen nur noch etwa ein Drittel der Piloten auf 35 MHz. Die meisten nutzen die Vorteile von 2,4 GHz: Einschalten und losfliegen. Keiner muss seinen Kanal verheimlichen. Und die wenigen 35-MHz-Piloten haben es deutlich leichter, sich gegenseitig abzusprechen.

Auch die Aufstiegsgenehmigung seitens des Regierungspräsidiums hat sich in den Jahren verändert. Die Wasserkuppe ist kein Segelfluggelände mehr, sondern ein Sonderlandeplatz. In diesem Zusammenhang entstanden auch neue Regeln für den Modellflugbetrieb. Klar, wenn so viele Luftsportarten auf so engem Raum miteinander auskommen sollen und wollen, muss es Regeln geben. Keine Regel hat Wirkung, wenn sie nicht kontrolliert wird. Deshalb wechseln sich fünf Flugleiter im Dienst an den Modellflughängen der Wasserkuppe ab Jeder Flugleiter macht eine Woche Dienst, von Sonntag bis Samstag, jeweils von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Und sollten sie einmal Anweisungen geben müssen, geschieht es in einer ruhigen freundlichen Art, die wesentlich zur angenehmen Atmosphäre des Flugbetriebes beiträgt. Im Übrigen habe ich bei den Verantwortlichen auf der Wasserkuppe nur nette, entgegenkommende Menschen kennengelernt.

Segelfluggeschichte pur

Was macht den Reiz der Wasserkuppe aus? Da ist natürlich zuerst einmal die exponierte Lage dieses Berges. Er ragt in allen Richtungen mindestens 400 m über das Umland hinaus. Damit ist er von den Winden aus allen Richtungen frei angeströmt. Das war auch der Grund, warum sich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts einige Studenten diesen Berg ausgesucht hatten, um dort mit motorlosen Flugzeugen zu experimentieren. Sie fanden sehr schnell Gleichgesinnte, so dass sich daraus eine rasante Entwicklung ergab. Bereits ab 1920 fanden auf der Wasserkuppe Segelflug-Wettbewerbe statt. Sensationelle Entfernungen von eins, zwei, vier Kilometer wurden zurückgelegt; die Experimente brachten den Segelflug von Jahr zu Jahr in Riesenschritten weiter. Auch Rückschläge gab es, tödliche Abstürze. Was aber nicht wundert. Zu dieser Zeit wusste keiner, welche Kräfte auf ein Segelflugzeug wirken und wie man diesen baulich entgegenwirken kann. Nicht bekannt waren die thermischen Kräfte in einer Gewitterwolke und forderten Opfer. Auch der Modellflug fand sehr bald Einzug auf der Wasserkuppe. Jährliche Treffen von Modellflugbegeisterten wurden organisiert. In der Spitze trafen sich unvorstellbare Menschenmassen an diesen Tagen auf der Kuppe. Man spricht von über 10.000 Modellen, die an einem Tag dort zusammenkamen. Die Zahl wird noch unvorstellbarer, wenn man bedenkt, dass die verkehrstechnischen Möglichkeiten in dieser Zeit noch sehr bescheiden waren. All das und noch viel, viel mehr ist im Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe eindrucksvoll dokumentiert. Den Besuch des Museums darf man sich nicht entgehen lassen und man sollte sich auf jeden Fall dafür mindestens zwei Stunden, eventuell auch mehr, einplanen.

Im Museum sind zahlreiche Segelflugzeuge aus den Pioniertagen und den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgestattet. Auf Tafeln und in Filmen werden die Entwicklung sowie die Pionierleistung der frühen Jahre eindrucksvoll und ausführlich beschrieben. Es ist schon beeindruckend, wenn man sich vorstellt, was diese Piloten mit diesen abenteuerlichen Maschinen in die Luft getrieben hat. Neben dem Mann-tragenden Segelflug ist auch dem Modellflug im Museum breiter Raum gewidmet. Hier sieht man Modelle, Motoren und Fernsteueranlagen aus alten und jüngeren Tagen. Modellflug-Klassen, die heute nur noch ganz selten oder gar nicht mehr gibt, werden in Exponat, Bild und Text dargestellt. Man begegnet dort auch den Werken und dem Wirken der FMT-Autoren der frühen Jahre (ca. 1960 - 1980) wie zum Beispiel Hans Gremmer, Werner Thies oder Helmut Bruß, aber auch bekannten Modellfliegern der jüngeren Zeit wie zum Beispiel Ralf Decker, Ernst Schöberl oder Franz Weißgerber.


Ein absolutes Muss ist der Besuch des Segelflugmuseums.


Bei den vielen ausgestellten Segelflugzeugen kann man sich stundenlang verweilen.

Ein Souvenir

Gleich gegenüber des Segelflugmuseums befinden sich die Souvenirläden. Ganz rechts ist der Laden von Rolf Barthelmes. Rein von außen betrachtet unterscheidet er sich nicht von den anderen. Aber hier gibt es etwas ganz Besonderes, was man sofort sieht, wenn man den Laden betritt: An der Decke hängende Träume. Wunderschöne Segelflugzeuge, sowohl Oldies als auch ganz moderne, alle aus Sperrholz und Balsaholz gearbeitet und lackiert. Die Modelle sind etwa im Maßstab 1:40 gehalten. Es handelt sich um handgemachte Schmuckstücke, die es nur dort gibt. Ich muss mir bei jedem Besuch auf der Wasserkuppe ein solches Modell mitnehmen. Im Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, fällt mein Blick auf die schöne Ka8b. Die würde auch ein wunderschönes, ferngesteuertes Flugmodell abgeben ...


Bei Rolf Barthelmes kaufe ich mir bei – fast – jedem Besuch ein Modell. Das Angebot der in der Rhön handgemachten Unikate wechselt laufend.

Rundflug und Fliegerschule

Wie wäre es mit einem Rundflug in einem Segelflugzeug? Auf der Wasserkuppe kein Problem. Der Flug im Doppelsitzer kostet 50 €. Gestartet wird im F-Schlepp. Der Flug über die Rhön dauert etwa 20 Minuten. Auch ein Rundflug in der Motormaschine ist möglich. Wem das nicht reicht, der muss sich einfach nur bei der Fliegerschule Wasserkuppe melden, um dort seinen Segelflugschein zu machen. Feste Kurstermine gibt es keine, man kann jederzeit einsteigen.

Für Modellflug Neulinge, gleichgültig ob blutiger Anfänger oder mit etwas Flugerfahrung, bietet die Fliegerschule Wasserkuppe seit ein paar Jahren auch Modellflug-Kurse. In der Regel betreut ein Fluglehrer maximal drei Schüler. Auch hier ist die terminliche Gestaltung sehr individuell möglich. Diese Modellflugkurse können nicht nur dazu benutzt werden, das Modellfliegen von Grund auf zu erlernen. Hier besteht auch die Möglichkeit, sich über diese Schulung an das Hangfliegen heranzutasten. Geschult wird mit dem Arcus Sonic von robbe, einem 2 m Schaummodell, welches über alle Achsen gesteuert wird. Außerdem werden modernste Lehrer/Schüleranlagen mit drahtloser Übertragungstechnik eingesetzt.

Die Wasserkuppe ist auch ein Berg für die ganze Familie. Wie die gesamte Region ist auch der Berg mit Wanderwegen sehr gut erschlossen. Auch für Radtouren, insbesondere mit dem Mountainbike, bietet sich die Region an. Etwas im Wald versteckt, aber nicht wenig attraktiv, befindet sich ein kleiner Freizeitpark. Zwei unterschiedliche Rodelbahnen, eine Bergbahn und jede Menge größere und kleinere, aber kostenfreie, Wipp-/Schaukel-/Rutschgeräte für Kinder. Ganz neu ist der Klettergarten mit einer beachtlichen Ausdehnung. Restaurants, Cafés und das Angebot regionaler Köstlichkeiten runden das Angebot ab.


An guten Tagen finden auf der Wasserkuppe 350 - 400 Starts am Tag statt, manchmal auch im Gegenverkehr.


Fast immer sieht man auch Oldies, die in die Luft gebracht werden, wie zum Beispiel diese Klassiker.

Modellflug

Für den Modellflug sind fünf Startplätze auf der Wasserkuppe zugelassen. Alle Startplätze haben ein mehr oder weniger weites Vorland aus dem der Wind richtig Anlauf nehmen kann. Die Hangkante selbst ist nie klippenartig, sondern hat einen harmonischen Übergang, so dass bei normalen Windstärken mit keinen oder nur wenigen Turbulenzen im Landebereich zu rechnen ist. Für das Landen selbst stehen an oder hinter der Hangkante große ebene und hindernisfreie Wiesenflächen zur Verfügung. Das Landen ist, auch für größere Modelle mit mehreren Metern Spannweite, kein Problem. Und sollte man dennoch einmal absaufen, stehen auch Not-Landemöglichkeiten mehr oder weniger weit unterhalb der Hangkante zur Verfügung. Einen Elektro-Motor im Segler benötigt man an der Wasserkuppe nicht wirklich.

Der fünfte Hang, die Kleine Eube, mit einer Ausrichtung nach Ost, wird zur Zeit nicht genutzt. Direkt vor der Startstelle befindet sich ein hoch gewachsener Wald. Wenn genügend Wind zum Fliegen auf dem Hang steht, sorgt dieser Wald für enorme, gefährliche Turbulenzen.


Westhang, bzw. Startplatz Denkmal


Der Südhang


Startplatz Fuldaquelle


Modellflieger an der Abtsrodaer Kuppe.


Obwohl die meisten Modellflieger auf 2,4 GHz fliegen, steht ein jeder Startstelle eine Frequenztafel.

Parken

Das Parken auf allen öffentlichen Parkplätzen der Wasserkuppe ist kostenpflichtig. In der oberen Hälfte der „Sackgasse“, die von der Hauptstraße zum bisherigen Gebäude der Fliegerschule hin führt darf nur mit der Genehmigung, die man durch Entrichten der Fluggebühr erhält, geparkt werden. Das gleiche gilt für den Parkplatz, den man beim Fliegen am Nord- bzw. Westhang benutzt. Ich kann nur raten, dies zu beachten. Die Polizei kontrolliert regelmäßig und kassiert!

Dennoch darf man zu diesem Parkplätzen hinfahren. Sodann sollte man zügig beim Flugleiter die Fluggebühr entrichten und unverzüglich zum Fahrzeug zurückkehren, um die Parkgenehmigung gut sichtbar ins Auto zu legen. Sollte dennoch in der Zwischenzeit ein Strafzettel an die Windschutzscheibe geheftet worden sein, bitte gleich beim Flugleiter melden. Er weiß, was dann zu tun ist.

Eine Karte mit allen Startplätzen, den zughörigen Parkplätzen und den Zufahrts- und Fußwegen befindet sich auf der Homepage der Fliegerschule Wasserkuppe.

Fluggebühr

Gastpiloten sind auf der Wasserkuppe immer recht herzlich willkommen. Allerdings hat jeder Pilot eine Gebühr zu entrichten. Diese Abgabe wird genutzt, um anfallende Kosten zu decken und um den Flugbetrieb auch für die Zukunft sicherzustellen.

Der diensthabende Flugleiter findet sich jeden Tag um 10 Uhr an der Tafel am Ende der Sackgasse ein. Er bestimmt dann je nach Windrichtung, welcher Hang geöffnet wird. Es darf immer nur ein Hang offen sein und beflogen werden. Durch eine grüne Marke in Aushang der Tafel wird dieser Hang auch für später eintreffende Piloten gekennzeichnet. Wenn der Wind im Verlauf des Tages dreht, entscheidet der Flugleiter über einen eventuellen Wechsel des Hangs.

Wer sich also um 10 Uhr an dieser Tafel einfindet, kann seine Fluggebühr dort beim Flugleiter entrichten. Trifft man später auf der Wasserkuppe ein, informiert man sich an dieser Tafel, welcher Hang geöffnet ist und wechselt dann zum Hang. Den Flugleiter findet man direkt am Hang und bezahlt dort seine Gebühr. Ist der Nordhang offen, befindet sich der Flugbegleiter in der Regel bis ca. 11 Uhr noch auf dem Parkplatz und geht erst dann direkt an die Startstelle.

Modellflugbetrieb ist auch außerhalb der Zeiten möglich, an denen ein Flugleiter anwesend ist. Wer vor 10 Uhr fliegt, muss sich dann allerdings um 10 Uhr an der Tafel einfinden, um zu erfahren, welches der heute geöffnete Hang ist. Nach 18 Uhr darf am geöffneten Hang weitergeflogen werden. Selbstverständlich unter Einhaltung der bestehenden Regeln.

Ein ganz besonderer Service erhalten Piloten, die eine starke Gehbehinderung haben. Sie melden sich rechtzeitig beim Flugleiter und werden dann mit dem Auto des Flugleiters zum jeweiligen Startplatz gefahren.


Am Ende dieser kurzen „Sackgasse“ befindet sich auf der linken Seite die Tafel, auf welcher der jeweils geöffnete Hang gekennzeichnet wird.

Miteinander!

Seit einigen Jahren teilen sich die Gleitschirmflieger die Hänge mit den Modellfliegern. Im Grunde funktioniert dies problemlos. Genügend Raum ist für beide da. Leider gibt es auf beiden Seiten immer wieder einmal „Ausrutscher“. Ich meine damit Piloten, die meinen, sich über Grenzen und Regeln hinwegsetzen zu dürfen. Manchmal auch in Richtung der Mann-tragenden Segelflieger. Diese Menschen denken sehr kurzfristig. Denn sollte es einmal zu größeren Problemen kommen, werden die Regeln verschärft oder der Flugbetrieb an diesen Stellen sogar eingestellt. Und das will doch keiner!

Interview mit Harald Jörges

FMT: Harald, du bist Leiter der Fliegerschule auf der Wasserkuppe. Was sind deine Aufgaben?
Harald Jörges: Ich vertrete die Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges, kurz GFS. Die GFS ist Platzhalter hier auf der Wasserkuppe. Die GFS hat im wesentlichen drei Aufgaben: zum Einen den Flugsport, wie es in der Betriebsordnung steht, auszuführen, zum Zweiten die Tradition im Segelflug und im Modellflug auf der Wasserkuppe zu pflegen und zum Dritten für die Sicherheit und Ordnung auf der Wasserkuppe zu sorgen. Als Schulleiter bin ich Angestellter der GFS und hier natürlich verantwortlich für die Ausbildung im Bereich Segelflug, Motorflug und Modellflug.

FMT: Auf der Wasserkuppe sind viele verschiedene Luftsportarten auf engstem Raum vertreten. Wie funktioniert das miteinander?
Harald Jörges: Das funktioniert dann, wenn alle Partner sich untereinander absprechen und die Betriebsordnung der GFS, wie auch die Aufstiegsgenehmigung des Regierungspräsidiums Kassel einhalten. In der Betriebsordnung sind zum Beispiel alle Startstellen exakt benannt, so wie deren Abhängigkeiten untereinander. So schließt das Betreiben von bestimmten Startstellen den Flugbetrieb auf anderen wiederum aus.

FMT: Auch die Regeln für die Modellflieger sind in dieser Aufstiegsgenehmigung vorgegeben?
Harald Jörges: Der Geländeinhaber für alle Startstellen für die Segelflieger, Modellflieger und Gleitschirmfliegen ist die GFS. Die Regeln für den Flugbetrieb hat das Regierungspräsidium bestimmt.

FMT: Welchen Stellenwert hat der Modellflug auf der Wasserkuppe und in der Region?
Harald Jörges: Die erste Verwandtschaft zum Segelflug ist der Modellflug. Der Modellflug ist mindestens so alt wie der Segelflug hier auf der Wasserkuppe. Der Modellflug spielt innerhalb der GFS eine große Rolle. Viele Segelflieger sind auch Modellflieger oder kommen aus dem Modellflug. Für die Region ist der Modellflug aufgrund der Übernachtungszahlen ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ich würde sogar behaupten, dass es ist der größte ist.

FMT: Bist du selbst auch Modellflieger?
Harald Jörges: Nein, leider bin ich es nicht. Ich habe als Kind immer davon geträumt. Eine Piper wollte ich immer haben. Aber ich komme aus einer Familie mit Modellflug. Der Vater meiner Frau Karin war ein begnadeter Modellflieger. Und mein Sohn hat mit Unterstützung durch den Opa mit dem Modellflug angefangen.

FMT: Im Mann-tragenden Flug bist du aktiv. Was sind deine Vorlieben?
Harald Jörges: Ich fliege alles was wir hier haben. Vielleicht kann ich das mal in Zahlen ausdrücken: Ich habe knapp 5.000 Stunden alleine im Motorflug, das sind bestimmt über 20.000 Starts. Dazu kommen noch mehr Stunden im Segelflugzeug (über 5.000 Stunden), allerdings mit rund 10.000 Starts, da ja die Flugzeiten hier deutlich länger sind. Bevor ich in ein Motorflugzeug einsteige, steige ich immer erst in ein Segelflugzeug ein. Ich fliege gerne den Duo Diskus. Und die ASK 21, weil es die Maschine ist, auf der man von Anfang an lernen kann. Und persönlich liebe ich natürlich die ASG 29.

FMT: Hast du Wünsche an die Modellflieger?
Harald Jörges: Ja, mein persönlicher Wunsch ist, dass sie Verständnis für die besondere Situation auf der Wasserkuppe aufbringen. Die gegebenen Regeln sind keine Deckelung, sondern dienen der Sicherheit. Ich kenne kein anderes Fluggelände, wo auf so engstem Raum so viel geflogen wird. Die Modellflieger sollten das Ganze hier auf der Wasserkuppe mittragen. Dann sind sie voll integriert. Eine Wasserkuppe ohne Modellflug kann ich mir gar nicht vorstellen.

Interview mit Jürgen Schild

FMT: Jürgen, du bist Modellflug-Referent auf der Wasserkuppe. Was bedeutet das?
Jürgen Schild: Ich koordinierende die Flugleiter, deren Dienstpläne, die Wettbewerbe und alles, was mit dem Modellflug zusammenhängt. Ich muss sehen, dass alles in geregelten Bahnen läuft, wozu wir verpflichtet sind.

FMT: Wie wird man Modellflug-Referent auf der Wasserkuppe?
Jürgen Schild: Die Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges auf der Wasserkuppe, die GFS, setzt sich aus verschiedenen Rhönflugvereinen aus den Bereichen Segelflug, Oldtimer und Gleitschirmfliegen zusammen. Die Vertreter der einzelnen Sparten werden gewählt. Es ist ein rein ehrenamtlicher Dienst.

FMT: Du bist hier aus der Gegend, du wohnst in Tann. Seit wann fliegst du auf der Wasserkuppe?
Jürgen Schild: Meinen ersten Flug habe ich als Kind mit meinem Onkel zusammen hier oben auf der Wasserkuppe gemacht im Jahr 1953. Da war ich sieben Jahre alt. Mein Onkel hat damals Freiflug gemacht. Das war der Auslöser für den Modellflug. Aktiv habe ich 1974 angefangen. Seither fliege ich ununterbrochen hier auf der Wasserkuppe und in den Vereinen in der Umgebung.

FMT: Wie hat sich aus deiner Sicht der Modellflug auf der Wasserkuppe seit den siebziger Jahren bis heute verändert?
Jürgen Schild: Er hat sich in sofern verändert, dass man nicht mehr so viele selbst gebaute Modelle sieht wie früher. Es werden sehr viele Styropormodelle genutzt. Es werden auch viele reine Zweckmodelle, wie F3B und F3J benutzt. Es ist schade, dass viele sich scheuen, einen vier- oder fünf-Meter-Segler am Hang zu starten. Obwohl wir uns vorgenommen haben, größeren Modellen ab und an einen Korridor zu geben, so dass sie relativ alleine fliegen können.

FMT: Wie erlebst du deine Flugleiter- und Fluglehrer-Dienste?
Jürgen Schild: Ich muss sagen, dass 99 % aller Modellflieger sehr nette Kollegen sind, wo man auch viel Spaß miteinander hat. Was einfach viel Freude macht. Sonst würde man den Dienst den ganzen Tag über gar nicht durchstehen. Viele unterschätzen das, wenn wir von morgens 10 bis abends 18 Uhr hier sitzen. Wir sagen so lustig, man hat dann anschließend eine Sauerstoffvergiftung.

FMT: Natürlich fliegst du auch selbst. Was ist derzeit dein Lieblingsmodell?
Jürgen Schild: Auf der Wasserkuppe fliege ich gerne meine Ka6. Das ist eine Modell mit einer Spannweite von 4,2 m, entstanden aus einem Fertigrumpf und Rippenflächen Was ich liebsten fliege ist eine Nemere mit 5 m Spannweite, die aus einem Baukasten mit CNC-gefrästen Teilen entstand. Der Bau hat viel Zeit in Anspruch genommen, hat aber auch viel Spaß gemacht.

FMT: Lockt dich auch manchmal die Mann-tragende Fliegerei?
Jürgen Schild: Hat mich einmal sehr gelockt, muss ich sagen. Und hat mich auch vor eine sehr schwere Entscheidung gestellt. Meine Frau hat mir dabei sehr geholfen, diese Entscheidung zu treffen, weil sie einfach gesagt hat „überlegt Dir‘s, man kann nur eines richtig machen“. Und da mein Herz am Modellflug richtig hängt, habe ich mich gegen das Mann-tragende entschieden. Aber ich habe viele Freunde hier, mit denen ich immer einen Segelflug machen kann, wenn ich mal fliegen will.

FMT: Hast du Wünsche oder Anregungen an die Modellflieger?
Jürgen Schild: Wir haben sehr gerne Gäste hier und jeder Gast ist herzlich willkommen. Ich wünsche mir, dass wir es alle gemeinsam hinbekommen, ein wunderbares kameradschaftliches Verhältnis zu schaffen. Mit unseren Gästen, den Flugleitern, der Mann-tragenden Fliegerei. Es sollte so bleiben wie es im Moment ist. Es ist im Moment sehr gut.

Regelmäßige Modellflug-Veranstaltungen auf der Wasserkuppe
An diesen Tagen können nur die Teilnehmer der jeweiligen Veranstaltung fliegen.
Der Pfingst-Wettbewerb an Pfingsten mit einer Zeitflug-/Ziellande-Aufgabe
Groß-Seglertreffen am letzten Wochenende im Juni für Semi-Scale- und Scale-Modelle ab 3,75 m Spannweite
Karl-Pfeifer-Wettbewerb am vorletzten Wochenende im August mit einer Zeitflug-/Ziellande-Aufgabe

Informationen gibt es unter diesen Adressen

Segelflug und Modellflug: Fliegerschule Wasserkuppe
www.fliegerschule-wasserkuppe.de

Gleitschirmfliegen
www.flugcenter-wasserkuppe.de

Das Segelflugmuseum
www.segelflugmuseum.de

Unterkünfte findet man direkt auf der Wasserkuppe
www.peterchens-mondfahrt.de
www.deutscher-flieger.de

und in der näheren Umgebung auf
www.gersfeld.de
www.poppenhausen-wasserkuppe.de
www.wasserkuppe-rhoen.de


Die Quelle der Fulda liegt direkt unter dem Pelzner Hang. Diese Startstelle wird deswegen auch gerne mit Fulda Quelle benannt.


Historisch untergebracht ist man im Hotel Deutscher Flieger. Daneben gibt es auch ein moderneres Haus.
Im Freizeitpark gibt es zahlreiche Attraktionen für Jung und Alt.


Auch morgen wird es wieder ein schöner Tag werden.