Kontrolle & Info - roxxy Smart Control

© 20. Mai 2017 - Frank Schwartz, alle Rechte vorbehalten
veröffentlicht in FMT - Flugmodell und Technik 06.2017

Multiplex hat nach dem Zusammenbruch von robbe die Marke roxxy übernommen. Diese umfasst die Ladegeräte, Akkus, Motoren und Regler aus dem ehemaligen robbe-Programm. Allesamt hatten sie einen guten Ruf – nicht zu unrecht – und ein prima Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber nicht einfach nur die Marke roxxy und eventuell vorhandene Lagerbestände wurden übernommen, sondern auch das dahinter stehende Knowhow. Darauf setzt man in Bretten nun auf und baut das roxxy-Programm mit neuen Entwicklungen weiter aus. So nun auch die Regler.
Über Jahre hatte man bei robbe darüber gesprochen, den roxxy-Reglern einen Rückkanal einzubauen, um die im Regler sowieso schon vorhanden Daten per Telemetrie an den Sender zu schicken. Bei Multiplex hat man nicht nur darüber gesprochen, sondern hat es gemacht. Bisher sind drei Größen lieferbar: 45 A, 70 A und 100 A. Alle sind sie direkt kompatibel mit dem MSB – Multiplex Sensor Bus, also dem hauseigenen Telemetriesystem.
Es gibt weitere Gemeinsamkeiten aller drei Größen. So ist das S-BEC mit 3 A Dauerstrom und 10 A (!) Maximalstrom angegeben. Sehr erfreulich ist, dass die S-BEC-Spannung via PC zwischen 5 V und 8 V in 0,1‑Volt-Schritten eingestellt werden kann. So können über die roxxy-SMART-Regler auch High-Volt-Konfigurationen betrieben werden. High-Volt-Regler gibt es derzeit recht wenige am Markt. Antriebsakkus mit Spannungen zwischen 6 V und 25,2 Volt dürfen angesteckt werden. Das entspricht 2 bis 6 Zellen LiPo- oder 6 bis 18 Zellen NiMH-Akkus. Mit 70 x 32 x 10 mm sind letztlich die Abmessungen der drei Typen gleich. Damit sind sie erfreulich klein und vor allem sehr flach, so dass sie auch in schlanken Rümpfen Platz finden.
Während bei den beiden kleineren Reglern akkuseitig die grünen Multiplex-Stecker und reglerseitig 3,5‑mm-Golstecker angelötet sind, hat der 100‑A-Regler lediglich motorseitig 4‑mm-Goldstecker. Doch Vorsicht: Wer bei den 70- und 100‑A-Reglern mehr 35 A Dauerstrom fließen lassen will, sollte akkuseitig andere Stecker anlöten, die entsprechend mehr Ampere verkraften.
Die Gewichte der drei neuen roxxy-Regler differieren untereinander mit 67 g, 75 g und 79 g nur wenig. Die Gewichte sind ok, auch wenn sie damit nicht ganz zu den leichtesten Reglern am Markt in ihrer Größe gehören. Auch ein ehemaliger 50‑A-Regler aus dem robbe-roxxy-Programm wog mit 51 g etwas weniger.

Vorbildlich
In letzter Zeit gar nicht mehr so üblich, auch nicht bei Multiplex, liegt den Reglern eine ausführliche (!) und aussagekräftige Bedienungsanleitung bei. Neben 17 Seiten in Deutsch ist auch die englische und französische Sprache enthalten.
Die Regler sind voreingestellt und können direkt angeschlossen und betrieben werden – im E-Segler. Denn die Bremse ist im Auslieferungszustand aktiviert. Die Telemetriewerte für Akkuspannung, Restkapazität, Strom, Temperatur und Drehzahl erscheinen sofort auf dem Display des Senders und können dort auch per Sprache ausgegeben werden. Also: Plug-and-Play. Nicht ganz. Ich musste in der Cockpit SX die Zuordnungen kurz ändern, was aber kein Problem ist. Wer sich dazu schon eine eigene Reihenfolge im Sender festgelegt hat, kann die Zuordnung auch im Regler ändern. Dazu ist als Software der kostenlose Multiplex-Launcher von Nöten und das USB-Kabel (#8 5149).
Letzteres macht Laune. Mit dem Launcher lassen sich auch ganz komfortabel weitere Werte modifizieren und / oder voreingestellte Werte nach eigenen Vorstellungen verändern.

Offene Punkte
Multiplex hat die LiPo-Abschaltung auf 3,2 V/Zelle, bei der harten Abschaltung sogar auf 2,9 V/Zelle eingestellt. Für diese Werte habe ich leider keine Möglichkeit der Änderung gefunden. Wenn es nicht gerade ein Wettbewerbsmodell ist, lasse ich in der Regel gerne schon bei 3,3 V/Zelle abschalten. Das schont den Akku, was ihn länger leben lässt. Auf die paar Minuten Flugzeit kommt es mir bei den heutigen Leistungen der Antriebe nicht an. Die Nachladezeit am Platz fällt ja auch entsprechend kürzer aus. Beim roxxy SMART Control muss die Warnung reichen, wenn man seinen LiPo nicht ganz so leer fliegen möchte.
In der Anleitung steht, man könne die Unterspannungsabschaltung bei Verwendung von NiMH-Akkus im Bereich von „5 … 60 Volt“ einstellen. Der Regler darf aber nur bis zu einer Spannung von 25,2 V betrieben werden. Davon darf man sich nicht verwirren lassen, da die Launcher-Software in diesem Punkt bereits für zukünftige Optionen ausgelegt ist.
Ebenso sind die Angaben zur zulässigen Betriebsspannung in der Anleitung und auf dem Regler-Etikett unterschiedlich. In der Anleitung sind die möglichen Minimal- / Maximal-Spannungen und auf dem Regler-Etikett Nennspannungen der Akkus aufgedruckt.

Alarm
Hat man den Regler schon mal an den Launcher angeschlossen, kann man sich auch gleich die richtigen Alarmschwellen hinterlegen (alternativ ist das natürlich auch im geeigneten Sender möglich). Denn was nützt mir beim Fliegen die Anzeige auf dem Display. Da schaue ich doch nur auf meinen Flieger und nie auf das Display (ihr doch auch?). Also raus mit der Sprache. Dank Sprachausgabe reicht eine einmalige Information genau dann, wenn die Akkuspannung den vorher eingestellten Unterspannungswert erreicht hat. So weiß man, dass die Energie bald knapp wird und man eine baldige Landung einplanen sollte.
Das könnte man auch mit der Restkapazität machen. Doch ich verlasse mich ausschließlich auf die Spannung. Denn diese ist auch bei einem „müden“ Akku verlässlich. Oft ist es so, dass beim Altern der Akkus die Spannungen der Einzelzellen auseinanderdriften. Bei Alarm auf der Spannung werde ich einfach nur früher informiert. Fliege ich dagegen mit einem schlechten Akku bis zum Erreichen der Restkapazitätsgrenze, entnehme ich ihm also die „volle“ Kapazität obwohl er sie nicht mehr liefern kann, mache ich diesen Akku nur noch schneller kaputt. Und was wäre, wenn man mal einen zum Beispiel nur zu zwei Drittel vollen Akku ansteckt …
Die Alarmgrenzen für Strom (45 A, 70 A oder 100 A) und Temperatur (100 Grad) sind fest voreingestellt. Allerdings kann ich über einen Telemetriekanal die im Flug maximal aufgetretene Stromstärke im Sender registrieren lassen. Das kann sehr hilfreich sein, um zu erkennen, ob man bei der Belastung grenzwertig arbeitet.

Es geht noch mehr
Die Drehzahl des Motors kennt der Regler, er gibt sie ja vor. Allerdings weiß er nicht, ob ein Getriebe angebaut ist und mit welcher Untersetzung. Ebenso muss man ihm die Anzahl der Motorpole mitteilen. Diese beiden Werte sollte man via Launcher eingeben, damit der Regler richtig rechnen kann und die tatsächliche Drehzahl übertragen wird.
Grundeinstellungen wie Akkutyp, Bremse, Drehrichtung, Abschalt-Verhalten, Softanlauf, Timing sowie Auto-, Boot- und Heli-Modus lassen sich alternativ über den Sender einstellen. (Diese Art der Reglerprogrammierung kommt mir meist wie Blindflug vor.) Wesentlich komfortabler geht es mit dem Launcher am PC, wodurch sich zusätzlich zu den oben genannten noch viele weitere Einstellmöglichkeiten eröffnen, wie zum Beispiel: Bremsstärke, Anlaufdrehmoment, Governor-Reaktion und -Stabilize … und die ganz wichtige S-BEC-Spannung. Um alle Features der Regler bequem zu nutzen, gehört die Anschaffung des Multiplex-USB-Kabels aus meiner Sicht zwingend dazu – sofern es nicht schon vorhanden ist.
Eigentlich ist es müßig aufzuzählen, dass Anlauf-, Überlast-, Überhitzungsschutz vorhanden sind. Das ist heutzutage Standard. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass sich die Regler nicht nur für Flächenmodelle und Hubschrauber konfigurieren lassen, sondern auch für Boote und Fahrzeuge mit Rückwärtsfahrt. Die Regler lassen sich mit jeder beliebigen Fernsteueranlage betreiben und dann auch über den Launcher programmieren. Die Telemetriefunktion funktioniert allerdings nur bei Verwendung der M-Link-Übertragung von Multiplex.

Zum Schluss
Ja ich weiß, wir sind mehrere Jahrzehnte ohne diese Rückmeldung aus dem fliegenden Modell ganz gut im Elektroflug klar gekommen. Aber erstens macht es Spaß, sich auch mal mit den Werten auseinander zu setzen. Zweitens bekommt man beim roxxy SMART Control die Telemetriewerte so einfach auf den Sender, dass es in diesem Punkt keine Ausrede geben kann. Und drittens ist es ein Sicherheitsaspekt (für das Modell und gegen einen unkontrollierten Absturz), wenn man sich das Erreichen der Warnschwellen melden lässt. So wertet ein roxxy SMART Control (fast) jeden Flieger auf.
Das Regelverhalten im Motormodell ist – gefühlt – sehr feinfühlig und ließ auch in den Teillastbereichen keine Wünsche offen. Aufgrund der Tatsache, dass das Verhalten von Anlauf und Bremse über jeweils mehrere Stufen eingestellt werden kann, lassen sich die Regler auch in jeden Segler integrieren, wo der Motor über einen Schalter am Sender bedient wird. Und das funktioniert universell bei Motoren ohne und mit Getriebe. Also alles gut.

Daten
Dauerstrom                 45 A           70 A           100 A
Zellenzahl                   2 - 6 LiPo, 5 - 18 NiMH
S-BEC-Spannung                        5 bis 8 V
S-BEC-Strom                                 3 A
Maße (BxHxL)                               32x10x70 mm
Gewicht                       67 g           75 g           79 g


Lieferumfang: Regler, Kondensator und die ausführliche Anleitung. Der Kondensator kommt bei Bedarf an einen freien Steckplatz am Empfänger.


Zusätzlich zum dreiadrigen Servokabel muss das zweiadrige Sensorkabel in den Telemetrie-Eingang des Multiplex-Empfängers gesteckt werden (Bild links). Alle Regler haben die selbe Baugröße. Im Vordergrund der Multiplex-USB-Adapter (Bild rechts).


Anstecken und ablesen. Lediglich die Zuordnung der Telemetriekanäle musste kurz angepasst werden (Bild links). So sieht das Ergebnis beispielsweise im Display der Cockpit SX aus. Entsprechend der Möglichkeiten des Senders kann die Anzeige modifiziert werden (Bild rechts).


Die Startseite im Multiplex-Launcher zeigt die Geräteinformation (Bild links). Wählt man den Reiter „Zahnrad“, kommt man auf die Seite mit den Einstellungen (Bild rechts).


Nur bei Akkutyp NiMH kann man die Unterspannungsabschaltung frei wählen Bild links). Softstart, Anlauf und Bremse kann man in mehreren Stufen einstellen (Bild rechts).


Über den Reiter „MSB“ kommt auf die Seite mit der Telemetrie-Konfiguration. Zwischenwerte bei „Spannungsalarm“ erreicht man durch eine Direkteingabe, über die Pfeile springen die Werte nur in groben 2‑V-Schritten.


Heron und roxxy SMART Control mit 45 A passen sehr gut zusammen. Mit dem schlanken Regler hat man mehr Platz für den Akku.