Was ist denn F5J ?

© 25. Mai 2016 - Frank Schwartz, alle Rechte vorbehalten
Veröffentlicht in FMT 06.2016

Die noch relativ junge Wettbewerbsklasse F5J erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Die Zahl der dezentralen Wettbewerbe in Deutschland steigt beständig. Für das Jahr 2016 sind mir derzeit neun Veranstaltungsorte bekannt, die meisten davon sind in der Bavarian Open eingebunden. Zum Saisonende findet die Deutsche Meisterschaft in Weilheim/Obb. statt. Beim DMFV und DAeC gibt es dazu weitere Infos.

F5J ist für mich die erste Elektro-Segelflugklasse, die mir wirklich gut gefällt. Drei Gründe kann ich dazu aufführen. Der mit Abstand wichtigste Punkt ist die Tatsache, dass trotz des E-Antriebs der Thermikflug absolut im Vordergrund steht. Der Motor ersetzt quasi die Hochstartleine: Einmal möglichst kurz steigen, dann muss man Thermik finden – oder landen. Zum Zweiten eröffnet die Wettbewerbsaufgabe etliche taktische Möglichkeiten. Und drittens schließt die gruppenbezogene Wertung momentanes Wetterglück aus.

Was ist die Aufgabe?
F5J steht für Thermik-Segelflugmodelle mit Elektromotor. Innerhalb einer Rahmenzeit von zehn Minuten ist ein möglichst langer Flug zu absolvieren. Dabei spielt für die Wertung der Flugzeit keine Rolle, ob der Motor an oder aus ist. Für jede Flugsekunde gibt es einen Punkt. Allerdings ist die Motorlaufzeit auf maximal 30 Sekunden begrenzt. Der Pilot kann auch früher ausschalten. Ein im Modell eingebauter Logger (Atlis4 von aer-o-tec oder UniLog2 von SM-Modellbau) sorgt dafür, dass der Motor nach spätestens 30 Sekunden abgeschaltet wird und während des Fluges nicht wieder eingeschaltet werden kann. Außerdem misst und speichert der Logger die maximale Höhe, die das Modell während der Motorlaufzeit und bis zehn Sekunden nach Motor‑aus erreicht hat. Diese Höhe fließt negativ in das Punkte-Ergebnis ein. Bis zu einer Höhe von 200 m kommt ein halber Punkt und ab 200 m kommen drei Punkte je Meter Höhe in Abzug. Der Flug endet mit einer Ziellandung auf einen Punkt. In einem Kreis-Durchmesser von 2 m gibt es 50 Punkte, je weitere 2 m im Durchmesser reduziert sich die Punktzahl jeweils um 5 Punkte. Eine Wertung für die Landung gibt es nur, wenn diese innerhalb der Rahmenzeit erfolgt.
Geflogen wird gruppenbezogen. Das heißt, mehrere Piloten (meist sind es acht) starten gleichzeitig. Derjenige mit dem besten Ergebnis der Gruppe erhält 1.000 Promille-Punkte. Die Ergebnisse der andern Piloten der Gruppe werden dazu ins Verhältnis gesetzt. So ist das ‚Wetterglück‘ weitestgehend ausgeschlossen. Denn am frühen Morgen, bei noch ruhiger Luft, kann der Beste der Gruppe sogar mit einem 3‑Minuten-Flug die volle Punktzahl erreichen. Mittags, bei guter Thermik, ist dann eher ein Flug mit 9 Minuten und 58 Sekunden für die volle Punktzahl notwendig.

Und so läuft es ab
Der Veranstalter zeigt durch ein akustisches Signal (mit vorhergehendem Count-Down) den Beginn der Rahmenzeit an. Erst wenn das Signal da ist, darf der Motor angeschaltet werden. Und erst wenn der Motor läuft, darf das Modell die Hand des Piloten oder seines Helfers verlassen. Jetzt kommt es darauf an, wie die momentane Situation ist. Früh morgens werden alle in der Gruppe deutlich über 100 m, vielleicht sogar höher 200 m steigen. Später am Tag, wenn erste Thermik eingesetzt hat, wird mit der Höhe taktiert. Etliches spielt dabei eine Rolle: Wie gut ist mein Modell? Wie gut bin ich? Wie gut sind die anderen in der Gruppe? Wie schätze ich im Moment die Chance auf Anschluss an die Thermik in welcher Entfernung und in welcher Höhe ein? Und so weiter. Vor dem Start muss man schon einen konkreten Plan haben, wie hoch man steigt und wo man hin fliegen will. Andernfalls werden 30 Sekunden Motorlaufzeit verdammt kurz. Bei guter Thermik und vor allem im Fly Off wird „gepokert“. Dann wird schon mal in 30 m Höhe – oder weniger – der Motor ausgeschaltet. Das kann auch mal schief gehen.


Startszene im FlyOff der Deutschen Meisterschaft F5J 2015.

Die Aufgabenstellung von F5J und die gruppenbezogene Wertung eröffnen ein weites Feld an taktischen Möglichkeiten. Schaltet man den Motor in niederer Höhe aus oder erst weiter oben? Fliegt man zuerst in niederer Höhe eine weite Strecke oder bleibt man in der Nähe? Fliegt man dahin wo die anderen sind oder an eine andere Stelle? Fliegt man bewusst einem guten Piloten in der Gruppe nach? In der Startphase und im anschließenden Zeitflug beobachtet der Helfer des Piloten unablässig die anderen Modelle im Feld und informiert seinen Piloten ständig darüber, wo sie sind und ob sie dort Steigen oder Sinken haben. Das ist eminent wichtig für einen erfolgreichen Flug.

Für Jedermann
Und noch etwas ist wichtig zu wissen über F5J: Mitfliegen kann man mit jedem Elektro-Segler! Bei den dezentralen Wettbewerben ist deshalb die Modellpalette meist sehr gemischt. Selbst auf der Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr flog ein Pilot mit einem EasyGlider und einige Introduction F5J vom Himmlischen Höllein waren auch zu sehen. Klar, wer auf einer DM ins FlyOff oder gar auf’s Treppchen möchte, kommt um ein spezielles Voll‑GFK/CFK‑Modell nicht herum. Dieses hat typischerweise eine Spannweite von 3,6 ‑ 3,8 m. Das Gewicht sollte eigentlich nicht mehr als 2 kg betragen, besser so um 1.700/1.800 g. Bei entsprechenden Wetterlagen werden auch schon mal Spezial-Ausführungen der Modelle um 1.300 g eingesetzt – mit 3,6 m Spannweite und Voll‑GFK/CFK wohlgemerkt.


Barbara Stöhr und ihr Helfer (Ehemann) prüfen schon lange vor dem Start, wo es denn gleich am besten tragen könnte (Bild links). Anna ist eine von mehreren Jugendlichen, die regelmäßig an F5J‑Wettbewerben teilnehmen.

Bei den High‑End F5J‑Modellen dominieren der Satori von aer‑o‑tec, der Xplorer von Cumulus und der Pike Perfection von Samba-Model. Ein häufig eingesetzter Motor ist der Schambeck Powerline 1025. Die LiPo-Akkus haben Kapazitäten zwischen 800 und 1.250 mAh, in der Regel 3s, für die besonders leichten Modelle auch 2s. Eine extreme Steigleistung der Modelle ist nicht zwingend erforderlich, Steigwerte im Bereich von 8 – 13 m/s sind durchaus ausreichend.
Die Wettbewerbsklasse F5J erfordert ansonsten kein aufwendiges Equipment. Auch kann man ganz alleine für sich trainieren, ja sogar allein auf einen Wettbewerb fahren. Ein Helfer findet sich dort immer. Logisch, dass es effektiver ist und mehr Spaß macht, wenn sich eine kleine Gruppe Gleichgesinnter zusammenschließt.

Links
DAeC: bit.ly/1TZ9ut9
DMFV: f5j.dmfv.aero
Bavarian Open: bit.ly/1Ue2hpD

Der Autor mit typischen High‑End F5J‑Modellen: der Satori von aer‑o‑tec, Abfluggewicht 1.460 g (oben) und dem Xplorer 2 von Cumulus, Abfluggewicht 1.500 g.

 

 

 


Helmut Bauer engagiert sich stark für die Klasse F5J und die Bavarian Open.


Ein typischer Antrieb: Motor Schambeck powerline 1025, Regler YGE 60A, Luftschraube RFM 16x8,5s und 30-mm-Spinner von Freudenthaler. Der Inside F5J flog in Kulmbach auf den 2. Platz.